Die Anordnung des kommissarischen ICE-Direktors David Venturella kehrt zu einer Praxis zurück, die Todesfälle nur während der unmittelbaren Haft erfasst. Die 2021 unter Präsident Joe Biden eingeführte Regelung sollte verhindern, dass ICE schwerkranke Menschen freilässt, um Todesfälle in Gewahrsam zu vermeiden. Damals war ein Häftling gestorben, der nach zwei Jahren Haft im Adelanto-Gefängnis in Kalifornien mit Hirnschaden und Covid-19 entlassen worden war – drei Tage später war er tot.
Venturella begründete den Schritt in dem Memo mit einer Rückkehr zur „Standardpraxis“. Deborah Fleischaker, damalige kommissarische Stabschefin unter Biden, hatte die alte Regelung mit den Worten verteidigt: „Die Politik wurde geändert, um klarzustellen, dass ICE Menschen nicht einfach freilassen sollte, um Todesfälle in Haft zu vermeiden.“
Die Entscheidung fällt in eine Zeit wachsender Kritik an der medizinischen Versorgung in ICE-Gewahrsam. Allein in den ersten fünf Monaten dieses Jahres starben 18 Menschen in Haft, darunter eine auffällige Zahl von Suiziden. Die neue Regelung könnte die tatsächliche Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit der Masseninhaftierung unter der Trump-Administration verschleiern, da Todesfälle kurz nach der Freilassung nicht mehr erfasst werden.
Das Weiße Haus und das Heimatschutzministerium haben sich bislang nicht zu dem Schritt geäußert. Menschenrechtsorganisationen kündigten bereits rechtliche Schritte an.
Quelle: www.theguardian.com



