Sa., 06 Juni 2026 Berlin 22:06 DE / UKR / EN

Kuleba: Iran hat keinen Grund, die Ukraine anzugreifen

Der ehemalige ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba hält einen iranischen Raketenangriff auf die Ukraine für unwahrscheinlich. Seiner Einschätzung nach fehlt Teheran dafür ein klares Ziel – und die Raketen sind für andere Konflikte zu wertvoll.

Kuleba: Iran hat keinen Grund, die Ukraine anzugreifen
Bild: images.unian.net

Die Sorge vor einer direkten iranischen Attacke auf die Ukraine ist zwar präsent, doch ein ehemaliger Spitzendiplomat hält sie für unbegründet. Dmytro Kuleba, früherer Außenminister der Ukraine, sieht keinen strategischen Sinn für Teheran, seine Raketen auf ukrainisches Gebiet abzufeuern.

„Ich wäre sehr überrascht, wenn der Iran tatsächlich einen Raketenangriff auf ukrainisches Territorium fliegen würde, grundsätzlich“, sagte Kuleba in einem Interview. „Ich verstehe einfach nicht, wozu sie das tun sollten.“ Seine Einschätzung beruht auf einer nüchternen Kosten-Nutzen-Analyse aus iranischer Perspektive.

Iranische Raketen haben zwar theoretisch die Reichweite, um Ziele in der Ukraine zu treffen – Schätzungen gehen von bis zu 2500 Kilometern aus. Doch ein Angriff brächte dem Regime in Teheran kaum greifbare Vorteile. „Und wenn sie auf die Ukraine schießen, na ja, eine Rakete, zwei Raketen, und was dann?“, fragt Kuleba rhetorisch. „Welches Ziel verfolgen sie damit?“

Stattdessen müsse der Iran seine begrenzten Raketenvorräte klug einsetzen. Die Waffen sind eine wertvolle und teure Ressource, die das Land für andere, aus seiner Sicht dringlichere Konflikte benötigt. Dazu zählen die Spannungen mit Israel oder die Unterstützung von Verbündeten in der Region. Ein symbolischer Schlag gegen die Ukraine, so Kulebas Logik, wäre eine reine Verschwendung dieser knappen Mittel ohne strategischen Gewinn.

Die Äußerungen kommen in einer Zeit, in denen die Ukraine bereits unter massiven russischen Raketen- und Drohnenangriffen leidet, die oft iranische Technologie verwenden. Die direkte Beteiligung Irans am Krieg wird immer wieder diskutiert. Kulebas Analyse entkräftet diese spezifische Befürchtung und lenkt den Fokus auf die reale Bedrohung: die fortgesetzte russische Offensive mit iranischer Unterstützung.

Für die ukrainische Verteidigung bleibt die Lage dennoch äußerst angespannt. In anderen Statements hat Kuleba jüngst auf den dringenden Bedarf an zusätzlicher Energieinfrastruktur nach den russischen Angriffen hingewiesen. Die Prioritäten liegen klar auf der Abwehr der unmittelbaren Gefahr und dem Wiederaufbau, nicht auf einem hypothetischen neuen Frontabschnitt.

Die Einschätzung des erfahrenen Diplomaten bietet eine beruhigende Perspektive in einer von Unsicherheit geprägten geopolitischen Landschaft. Sie unterstreicht, dass selbst in einem umfassenden Krieg nicht jede theoretische Bedrohung auch zu einer praktischen wird. Entscheidend sind die Interessen und Kalküle der beteiligten Akteure – und die sprechen laut Kuleba aktuell gegen einen iranischen Raketeneinsatz in der Ukraine.