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Mammografie-Screening künftig schon ab 45 Jahren

Der Gemeinsame Bundesausschuss hat die Altersgrenze für das Mammografie-Screening auf 45 Jahre gesenkt. Die Neuregelung soll zum 1. August 2027 in Kraft treten.

Mammografie-Screening künftig schon ab 45 Jahren
Symbolbild: Miguel Á. Padriñán / Pexels

Der Gemeinsame Bundesausschuss hat die Altersgrenze für das Mammografie-Screening auf 45 Jahre gesenkt. Die Neuregelung soll zum 1. August 2027 in Kraft treten.

Frauen können künftig schon ab 45 Jahren am Mammografie-Screening zur Brustkrebsfrüherkennung teilnehmen. Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) hat die untere Altersgrenze für das Früherkennungsprogramm abgesenkt, wie unter anderem der Spiegel am Donnerstag, 15. Oktober, und tagesschau.de am Mittwoch, 14. Oktober, berichteten. Bislang übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Röntgenuntersuchung der Brust nur im Alter von 50 bis 75 Jahren. Jüngere Frauen mussten die Kosten selbst tragen.

Der Beschluss wird nun von der Rechtsaufsicht im Bundesgesundheitsministerium geprüft. Gibt es keine Beanstandung, tritt die Neuregelung zum 1. August 2027 in Kraft. Ab dann können sich Frauen ab 45 Jahren voraussichtlich direkt bei ihrer zuständigen Zentralen Stelle für einen Untersuchungstermin anmelden. Persönliche Einladungen sollen sie dann vermutlich ab Januar 2028 erhalten, wie der Spiegel und t-online.de berichten. Der GBA ist das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung von Ärzten, Psychotherapeuten, Krankenhäusern und Krankenkassen und legt fest, welche Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung erstattet werden.

2,5 Millionen zusätzliche Frauen

Nach Angaben des GBA können derzeit rund 14,5 Millionen Frauen im Alter von 50 bis 75 Jahren am Mammografie-Screening teilnehmen. Mit der Öffnung für die jüngeren Frauen ab 45 Jahren sollen 2,5 Millionen weitere Frauen von der Kassenleistung profitieren, wie t-online.de unter Berufung auf den Bundesausschuss meldet. „Früherkennung funktioniert nur gut, wenn Erkrankungsanzeichen sicher erkannt werden und es möglichst selten ‚falschen Alarm‘ gibt“, sagte das Ausschussmitglied Bernhard van Treeck laut t-online.de. „In diesem Sinne hoffen wir, einen guten Beschluss gefasst zu haben.“

Deutschland setzt mit der Neuregelung eine EU-Richtlinie um, die das Screening ab 45 Jahren empfiehlt, wie der Tagesspiegel schreibt. Jedes Jahr sterben in Deutschland rund 18.000 Frauen an Brustkrebs. Laut dem Zentrum für Krebsregisterdaten wird bei rund 75.000 Frauen jährlich ein neuer Tumor im Brustdrüsengewebe festgestellt. Vor dem 50. Lebensjahr erkrankt eine von sechs betroffenen Frauen, nach dem 70. Lebensjahr betrifft die bösartige Neubildung knapp zwei von fünf Frauen. Bei Frauen unter 45 Jahren sind Mammakarzinome mit Abstand die häufigste Krebserkrankung.

Nutzen und Risiken der Röntgenuntersuchung

Das Mammografie-Screening soll Tumore in einem frühen Stadium entdecken, bevor sie tastbar sind oder Lymphknoten befallen. Eine Untersuchung des Bundesamts für Strahlenschutz, die sich über mehrere Jahre erstreckte, kommt zu dem Ergebnis, dass das Screening das Sterblichkeitsrisiko für teilnehmende Frauen um 20 bis 30 Prozent senkt, wie tagesschau.de berichtet. Eine Metaanalyse des Bundesamts für Strahlenschutz ergab laut Tagesspiegel, dass bei Frauen unter 50 Jahren die Brustkrebssterblichkeit durch die Mammografie um 18 Prozent gesenkt werden kann. Bei Frauen über 70 Jahren lag die Risikoreduktion demnach bei rund 28 Prozent.

Gleichwohl ist die Röntgenuntersuchung nicht ohne Risiken. Achim Wöckel, Direktor der Frauenklinik und Leiter des Brustzentrums am Universitätsklinikum Würzburg, sagte dem Science Media Center laut Tagesspiegel: „Die Strahlenbelastung einer Mammographie ist insgesamt als niedrig einzuordnen.“ Während der Untersuchung entstehe eine Strahlenbelastung von etwa 0,2 bis 0,4 Millisievert. „Diese Einwirkung ist deutlich geringer als die jährliche natürliche Strahlenbelastung und entspricht einer natürlichen Exposition von mehreren Wochen“, so Wöckel.

Eine Auswertung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) aus dem Jahr 2022 zeigte laut Tagesspiegel: Von 10.000 Frauen im Alter von 45 bis 49 Jahren erhielten bis zu 340 pro Screeningrunde eine Biopsie, obwohl sich der Verdacht auf Brustkrebs anschließend nicht bestätigte. Einer Schätzung des Bundesamts für Strahlenschutz zufolge könnten etwa 14 Prozent der durch das Screening entdeckten Tumoren Überdiagnosen sein. Der Präventionsforscher Hajo Zeeb bleibt dennoch zuversichtlich: Die höhere Brustdichte jüngerer Frauen erschwere die radiologische Analyse zwar „in gewissem Maße“, die digitale Mammografie bleibe aber das Verfahren der Wahl. Die Zentren hätten „sehr viel Erfahrung mit dieser Methodik“.

Frauen ab 30 Jahren können einmal jährlich eine Tastuntersuchung der Brust und der Achselhöhlen in Anspruch nehmen, wie der Tagesspiegel weiter berichtet. Diese gehört zur Routineuntersuchung bei der Gynäkologin. Im Vergleich zum Abtasten mit der Hand hat das Röntgen den Vorteil, dass sich auch kleinste Gewebeveränderungen und Tumore erkennen lassen, die nicht ertastbar sind.

Quellen

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