Ein Brief vom Amt, den niemand versteht. Eine Frage zum Sprachkurs, die keine Hotline beantwortet. Der Wunsch, ein Diplom anerkennen zu lassen, ohne zu wissen, wo man anfängt. Für genau solche Lagen gibt es in Deutschland ein Angebot, das viele Zugewanderte nicht kennen: die Migrationsberatung für erwachsene Zugewanderte, kurz MBE.
Die Beratung ist kostenlos und vertraulich, so schreibt es die Caritas München. Getragen wird sie von sechs Wohlfahrtsverbänden und dem Bund der Vertriebenen, finanziert aus dem Bundeshaushalt über das Bundesinnenministerium und das BAMF. Angesprochen sind Erwachsene ab dem 28. Lebensjahr, also ab 27 Jahren, und ihre Kinder. Wer zwischen 12 und 26 ist, geht stattdessen zum Jugendmigrationsdienst.
Wobei die Berater konkret helfen
Laut AWO München, die an der Goethestraße 53 (80336) berät, reicht das Spektrum von Integrations- und Sprachkursen über Behördenfragen und Aufenthaltsrecht bis zu Kinderbetreuung, Schule, Gesundheit und beruflicher Weiterbildung. Die Caritas nennt außerdem rechtliche und psychologische Beratung für Geflüchtete aus der Ukraine. Die AWO berät unter anderem auf Ukrainisch und Russisch; die Webseite des Programms gibt es ebenfalls auf beiden Sprachen.
Einen Termin finden Sie so: Auf migrationsberatung.org über die BAMF-Suche (NAvI) oder bei der Caritas über die Postleitzahl die zuständige Stelle suchen. Online-Beratung gibt es auch. Die Diakonie rät, vorab zu buchen, weil die Nachfrage hoch ist.
Ein Angebot unter Spardruck
Wie gefragt die MBE ist, zeigt die Statistik des Dachverbands BAGFW für 2022: rund 315.000 Beratungsfälle und 242.000 mitberatene Angehörige, die Ukraine gehörte zu den fünf wichtigsten Herkunftsländern. Zugleich sank die Förderung: 81,5 Millionen Euro im Jahr 2023, im Haushaltsentwurf für 2024 waren es 57,5 Millionen, ein Minus von etwa 30 Prozent. Die Diakonie schreibt, der Bundestag habe 2024 die Mittel gekürzt und das Angebot sei dadurch kleiner geworden. Wie viele Plätze es heute in Ihrer Stadt gibt, lässt sich deshalb nicht pauschal sagen.
Offen bleibt in den eingesehenen Quellen, ob jede Stelle Menschen mit Aufenthaltserlaubnis nach § 24 gleichermaßen berät; ausdrücklich geregelt ist das dort nicht. Die Stadt München verweist auf MBE und Jugendmigrationsdienste für Fragen zu Integrationskursen, für Sprachkurse ohne passenden Titel gibt es zusätzlich die städtische Stelle IBZ Sprache und Beruf. Unsere Einschätzung: Ein Anruf vorab klärt das schnell, und wer abgewiesen wird, sollte nach der Alternative fragen, statt aufzugeben.
Zahlen zu den Stellen weichen je nach Quelle ab: Das Portal nennt mehr als 1.200 Standorte, die Wohlfahrtsverbände sprechen von rund 1.400 bis 1.500 Beratungsstellen. Entscheidend ist ohnehin die Stelle in Ihrer Nähe.
Quellen: Migrationsberatung.org, AWO München, Caritas München, Stadt München, Diakonie



