Russische Truppen haben in der Nacht zum 10. Oktober die südukrainische Stadt Mykolajiw mit Drohnen angegriffen und dabei industrielle sowie zivile Infrastruktur beschädigt. Das teilte der kommissarische Leiter der Militärverwaltung des Gebiets Mykolajiw, Heorhij Reschetilow, auf Telegram mit, wie Ukrinform berichtet.
„Heute Nacht hat der Feind die industrielle und zivile Infrastruktur der Stadt Mykolajiw mit Drohnen vom Typ Shahed angegriffen“, schrieb Reschetilow. Beschädigt worden seien Fenster eines Mehrfamilienhauses, Geschäfte, Büroräume und ein Verwaltungsgebäude. Bereits am 9. Oktober hatte Russland laut dem kommissarischen Leiter der Militärverwaltung die Stadt mit Drohnen vom Typ „Banderol“ attackiert. Ziele waren demnach Energie- und Industrieanlagen; ein Heizhaus und ein Hangar wurden beschädigt. Zudem griffen russische Einheiten laut Reschetilow die Gemeinde Halyzyniwka mit FPV-Drohnen an. Im Dorf Lymany seien ein Privathaus und ein Geschäft beschädigt worden.
Am 9. Oktober war in Mykolajiw nach früheren Angaben ein 64-jähriger Mann getötet worden, eine Frau erlitt eine akute Stressreaktion. Die aktuellen Angriffe in der Nacht zum 10. Oktober forderten keine Todesopfer.
Wie die russischen Angriffe die Menschen in der Region treffen
Die wiederholten Drohnenangriffe auf Mykolajiw und die umliegenden Gemeinden treffen die Menschen im Alltag: beschädigte Wohnhäuser, zerstörte Geschäfte und Büros, unterbrochene Energieversorgung. Die Region Mykolajiw liegt im Süden der Ukraine und ist immer wieder Ziel russischer Luftangriffe. Die ukrainische Luftwaffe meldet regelmäßig eine hohe Zahl eingesetzter Drohnen und Raketen. So berichtete n-tv.de am 9. September 2026 unter Berufung auf die ukrainische Luftwaffe, Russland habe in einer Nacht 196 Kampfdrohnen sowie eine nicht näher bezifferte Anzahl ballistischer Raketen und Marschflugkörper des Typs Banderol eingesetzt. 165 Drohnen seien abgeschossen oder durch elektronische Abwehr zum Absturz gebracht worden. Einschläge habe es an 23 Orten in der Ukraine gegeben. Seit dem 11. August 2026 macht die ukrainische Luftwaffe keine genauen Angaben mehr zu der Zahl der von Russland eingesetzten und von der Ukraine abgewehrten Raketen.
Die Angriffe auf die zivile und industrielle Infrastruktur in Mykolajiw sind Teil einer Serie. Bereits am 9. September 2026 war nach Behördenangaben bei einem russischen Drohnenangriff auf die Stadt ein Mensch getötet worden; Hafen-, Transport- und zivile Infrastruktur wurden beschädigt. Am selben Tag wurden bei einem Angriff auf einen Grenzübergang zwischen der Ukraine und der Republik Moldau bei Starokosatsche nach ukrainischen Angaben mindestens zwei Menschen getötet und drei weitere verletzt. Der Betrieb des Grenzkontrollpunktes wurde vorübergehend eingestellt.
Was als Nächstes ansteht
Die Militärverwaltung des Gebiets Mykolajiw dürfte in den kommenden Stunden weitere Schäden prüfen und die Reparatur der beschädigten Anlagen einleiten. Die ukrainische Luftwaffe wird wie üblich am Morgen eine Bilanz der abgewehrten Angriffe veröffentlichen. Für die Menschen in Mykolajiw bleibt die Lage angespannt: Die anhaltenden Angriffe auf Energie- und Industrieanlagen gefährden die Versorgung und erschweren den Alltag. Eine schnelle Entspannung ist nicht in Sicht.



