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Ukraine: 2.665 verschleppte Kinder zurückgeholt

Das Sekretariat der Menschenrechtsbeauftragten der Werchowna Rada dokumentiert 20.651 Fälle von Verschleppung oder Zwangsumsiedlung ukrainischer Kinder. 2.665 Kinder konnten bislang zurückgebracht werden.

Ukraine: 2.665 verschleppte Kinder zurückgeholt
Symbolbild: Trinity Kubassek / Pexels

Das Sekretariat der Menschenrechtsbeauftragten der Werchowna Rada dokumentiert 20.651 Fälle von Verschleppung oder Zwangsumsiedlung ukrainischer Kinder. 2.665 Kinder konnten bislang zurückgebracht werden.

Die Ukraine hat nach eigenen Angaben bislang 2.665 Kinder auf das von der Regierung kontrollierte Territorium zurückgeholt. Das teilte das Sekretariat der Menschenrechtsbeauftragten der Werchowna Rada auf eine Anfrage von Ukrinform mit. Demnach sind Stand 7. Oktober 2026 auf dem offiziellen staatlichen Portal „Dity Wijny“ („Kinder des Krieges“) 2.363 Kinder als vermisst ausgeschrieben. Für 59.676 Kinder sei der Aufenthaltsort bereits festgestellt worden. Separat dokumentiert die Behörde 20.651 Fälle von Deportation und/oder Zwangsumsiedlung von Kindern.

Die Behörde betont, dass die Kategorien sauber getrennt werden müssten: vermisste Kinder einerseits, Kinder mit festgestelltem Deportations-, Zwangsumsiedlungs- oder Aufenthaltsstatus auf zeitweise besetztem Gebiet oder in der Russischen Föderation andererseits. Nicht jedes zurückgeholte Kind sei zuvor als vermisst oder zur Fahndung ausgeschrieben gewesen, heißt es in der Antwort. Eine wichtige Rolle bei der Feststellung des Aufenthaltsorts und der Organisation einer sicheren Rückkehr spielten Partner: 83 Kinder konnten demnach mit Vermittlung des Staates Katar zurückgebracht werden, 30 Kinder in besonders schwierigen Fällen mit Unterstützung der US-First-Lady Melania Trump.

Die Angaben des Sekretariats weichen leicht von denen des Justizministeriums ab. Nach einer Mitteilung des Ministeriums vom 14. August 2026 waren zu diesem Zeitpunkt 20.610 Fälle von Deportation oder Zwangsumsiedlung bestätigt – damals ebenfalls mit dem Hinweis, die Zahl sei nicht endgültig, da laufend neue Informationen eingingen und jeder Fall einzeln geprüft werden müsse. Justizminister Denys Maslow hatte dies bei einem Arbeitstreffen mit der UNICEF-Vertreterin in der Ukraine, Anne-Claire Dufay, am 11. August erläutert. Russland liefere der Ukraine keine Informationen über deportierte oder zwangsumgesiedelte Kinder, hieß es damals; Dokumentation, Verifizierung und Informationsaustausch seien daher entscheidend. Das Ministerium führt das Register über deportierte oder zwangsumgesiedelte Kinder und unterstützt organisatorisch die Arbeit der interministeriellen Kommission zur Überprüfung der Angaben.

Ukrinform berichtete zudem, dass seit Jahresbeginn 208 Kinder aus dem zeitweise besetzten Teil der Region Cherson zurückgeholt werden konnten.

Warum die Zahlen so schwer zu greifen sind

Die Differenz zwischen 20.651 und 20.610 Fällen ist kein Widerspruch, sondern Ausdruck eines laufenden Verfahrens: Jeder Fall wird einzeln verifiziert, neue Informationen kommen fortlaufend hinzu. Die Behörden unterscheiden deshalb zwischen vermissten Kindern, Kindern mit bestätigter Deportation oder Zwangsumsiedlung und Kindern, deren Aufenthalt auf besetztem Gebiet oder in Russland bekannt ist. Diese Trennung erklärt, warum die Zahl der zurückgeholten Kinder nicht einfach gegen die Zahl der dokumentierten Fälle aufgerechnet werden kann. Ein Teil der Rückkehrer war nie als vermisst gemeldet.

Fachleute sehen in der fehlenden Kooperation Moskaus das zentrale Hindernis. Ohne verlässliche Angaben der russischen Seite bleiben Aufklärung und Rückführung auf Dokumentation, Zeugenaussagen und internationale Vermittlung angewiesen. Dass Katar und die US-Seite in einzelnen Fällen vermitteln konnten, zeigt, wie sehr die Rückkehr von politischen Kanälen abhängt – und wie langsam sie vorankommt.

Was das für die Familien bedeutet

Für die betroffenen Familien in der Ukraine ist die Rückkehr eines Kindes der entscheidende Einschnitt. Bis dahin bleibt oft unklar, ob das Kind lebt, wo es sich aufhält und unter welchen Bedingungen. Die ukrainische Seite wertet die Praxis der Verschleppung als Versuch, den Kontakt der Kinder zu ihren Familien, ihrer Sprache und Kultur zu kappen und die ukrainische Identität auszulöschen. Für Deutschland, das mehr als eine Million Ukrainerinnen und Ukrainer aufgenommen hat, sind die Zahlen auch deshalb relevant, weil viele Geflüchtete Angehörige in den besetzten Gebieten oder in Russland haben und auf Informationen über vermisste Kinder angewiesen sind.

Die nächsten Schritte liegen bei der interministeriellen Kommission und den internationalen Partnern. Neue Fallzahlen dürften folgen, sobald weitere Angaben verifiziert sind. Ob und wann die Rückführungen schneller werden, hängt maßgeblich davon ab, ob Vermittlungskanäle wie die über Katar und die USA ausgeweitet werden können. Ein Durchbruch ist derzeit nicht absehbar.

Quellen

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