Sa., 06 Juni 2026 Berlin 22:01 DE / UKR / EN

UN-Generalsekretär: Transparenz-Reformen kaschieren Macht des Sicherheitsrats

Eine neue Analyse des Auswahlprozesses für den UN-Generalsekretär 2026 zeigt: Trotz Reformen bleibt die Entscheidungsmacht beim Sicherheitsrat, insbesondere bei seinen fünf ständigen Mitgliedern. Die öffentlichen Dialoge mit Kandidaten täuschen über den fehlenden Zugang zur Macht hinweg.

UN-Generalsekretär: Transparenz-Reformen kaschieren Macht des Sicherheitsrats
Bild: static.kyivpost.com

Die Auswahl des nächsten UN-Generalsekretärs 2026 gilt offiziell als transparenter denn je. Doch eine neue Analyse der Kyiv Post argumentiert, dass die wirkliche Entscheidungsmacht weiterhin beim UN-Sicherheitsrat liegt – insbesondere bei seinen fünf ständigen Mitgliedern USA, China, Russland, Frankreich und Großbritannien. Die Bezeichnungen „Führungswechsel“ oder „Nominierung“ verschleierten die Kluft zwischen Verfahrensoffenheit und echtem politischem Zugang, so die Analyse.

Fünf Kandidaten, drei Frauen – ein Novum

Seit 2016 ist der Auswahlprozess offener geworden. Am 21. und 22. April 2026 fanden am UN-Hauptsitz in New York interaktive Dialoge mit vier der fünf nominierten Kandidaten statt: Michelle Bachelet Jeria (Chile), Rafael Mariano Grossi (Argentinien), Rebeca Grynspan Mayufis (Costa Rica) und Macky Sall (Senegal). Ein fünfter Kandidat, Maria Fernanda Espinosa (Ecuador), wurde nach den Dialogen nominiert. Erstmals sind drei der fünf Bewerber Frauen – ein historischer Schritt, den Frauenorganisationen seit langem fordern, da noch nie eine Frau die UN geführt hat.

Macht bleibt beim Sicherheitsrat

Die öffentlichen Dialoge erlaubten es Mitgliedsstaaten und zivilgesellschaftlichen Organisationen, die Visionen der Kandidaten zu hören und Fragen zu stellen. Die Analyse betont jedoch: Sichtbarkeit dürfe nicht mit Zugang verwechselt werden. Die Tatsache, dass ein Verfahren mehr Transparenz und Teilhabe ermögliche, bedeute nicht, dass die Macht innerhalb des Prozesses neu verteilt worden sei. Das entscheidende politische Gremium bleibe der UN-Sicherheitsrat.

Der UN-Generalsekretär ist der oberste Beamte des UN-Sekretariats und verwaltet ein Budget von 3,5 Milliarden US-Dollar für Operationen und Programme. Die Position werde nicht einfach durch Verdienst oder Dienstalter erreicht, sondern durch öffentliche Sichtbarkeit, politische Anerkennung, staatliche Unterstützung, Verhandlungen und die Fähigkeit, formelle und informelle Machtfilter zu navigieren.

Bedeutung für kleinere Staaten und die Ukraine

Während große Nationen wie die USA und China die UN nicht vermissen würden, wenn sie verschwände, biete die Organisation den mehr als 190 kleineren Staaten Expertise, Kapazitäten und ein Netzwerk, das sonst nicht verfügbar sei. Für die Ukraine seien solche internationalen Institutionen besonders wichtig, so die Analyse. Die Debatte über die Kandidaten beginnt im Juli 2026, die endgültige Entscheidung über die Nominierung fällt im Herbst. Der nächste Generalsekretär tritt sein fünfjähriges Mandat am 1. Januar 2027 an, nachdem Antonio Guterres‘ Amtszeit am 31. Dezember 2026 endet.

Quelle: www.kyivpost.com