So., 07 Juni 2026 Berlin 00:11 DE / UKR / EN

NATO schweigt zu Trumps Forderungen

Die NATO reagiert zurückhaltend auf scharfe Kritik aus Washington. US-Präsident Trump fordert mehr Unterstützung in der Straße von Hormus, doch die Allianz bleibt bei ihrer vorsichtigen Linie.

NATO schweigt zu Trumps Forderungen
Bild: Deutscher Bundestag

Die NATO steht unter Druck, reagiert aber mit Schweigen. US-Präsident Donald Trump hat die Allianz scharf kritisiert und mehr Unterstützung in der Straße von Hormus gefordert – doch in Brüssel und den europäischen Hauptstädten hält man sich bedeckt.

Die strategische Wasserstraße am Persischen Golf ist seit Wochen geschlossen, was den globalen Handel massiv beeinträchtigt. Trump hatte in den vergangenen Tagen mehrfach die NATO-Partner aufgefordert, sich stärker zu engagieren und amerikanische Bemühungen zu unterstützen. „Ich habe mich immer gefragt, ob die NATO für uns da sein wird. Das ist ein großartiger Test“, sagte der US-Präsident laut einem Bericht der Tagesschau.

Doch die Reaktion der Allianz fällt verhalten aus. NATO-Generalsekretär Mark Rutte, der diese Woche eine NATO-Mission in Norwegen besuchte, äußerte sich zwar grundsätzlich zur Lage. „Die Straße von Hormus muss wieder geöffnet werden“, sagte Rutte. Er wisse, dass viele Mitgliedstaaten gemeinsam an einer Lösung arbeiteten.

Auf die konkrete Kritik aus Washington ging der NATO-Chef jedoch nicht ein. Diese Zurückhaltung spiegelt die vorsichtige Haltung vieler europäischer Staaten wider, die sich nicht in eine militärische Eskalation mit dem Iran hineinziehen lassen wollen.

Deutschland hat bereits klargestellt, dass es sich nicht an einer militärischen Mission zur Sicherung der Schifffahrt in der Straße von Hormus beteiligen wird. Bundeskanzler Friedrich Merz bekräftigte diese Position am Mittwoch in einer Regierungserklärung. „Washington habe die Europäer nicht zu Rate gezogen“, sagte Merz laut Bundestagsdokumenten. „Wir hätten abgeraten.“

Die unterschiedlichen Positionen zeigen die Spannungen innerhalb des transatlantischen Bündnisses. Während die USA auf eine robuste militärische Präsenz drängen, bevorzugen viele europäische Partner diplomatische Lösungen und wirtschaftlichen Druck. Diese Divergenz könnte die Handlungsfähigkeit der NATO in der aktuellen Krise beeinträchtigen.

Hinter der Zurückhaltung europäischer Staaten stehen mehrere Faktoren: die Sorge vor einer weiteren Eskalation im Nahen Osten, wirtschaftliche Interessen und die historische Erfahrung mit früheren Interventionen in der Region. Zudem fürchten einige Regierungen innenpolitischen Widerstand, sollten sie Truppen in eine potenziell gefährliche Mission entsenden.

Die geschlossene Straße von Hormus hat bereits spürbare Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Etwa ein Fünftel des globalen Ölhandels passiert normalerweise diese Engstelle. Seit der Blockade sind die Energiepreise gestiegen, und Lieferketten sind unterbrochen worden.

Für europäische Verbraucher bedeutet dies höhere Kosten für Benzin, Heizöl und viele importierte Waren. Die wirtschaftlichen Folgen könnten in den kommenden Wochen noch deutlicher spürbar werden, sollte sich die Situation nicht entspannen.

Die NATO steht vor einer schwierigen Balanceakt: Einerseits dem wichtigsten Bündnispartner entgegenzukommen, andererseits die eigenen Interessen und Kapazitäten zu wahren. Bisher scheint die Allianz auf Zeit zu spielen – in der Hoffnung, dass diplomatische Initiativen Früchte tragen oder sich die Lage von selbst entschärft.

Doch dieser Ansatz birgt Risiken. Sollte die Krise länger andauern oder eskalieren, könnte der Druck aus Washington zunehmen. Gleichzeitig wächst in Europa die Sorge, dass eine zu enge Anlehnung an amerikanische Militärstrategien die Region in einen größeren Konflikt ziehen könnte.

Die kommenden Tage werden zeigen, ob das NATO-Schweigen eine bewusste Strategie ist oder Ausdruck innerer Uneinigkeit. Sicher ist: Die Straße von Hormus bleibt ein neuralgischer Punkt nicht nur für die regionale Sicherheit, sondern für die Stabilität des gesamten transatlantischen Verhältnisses.