Do., 11 Juni 2026 Kyjiw 19:47Berlin 18:47London 17:47 UKR / DE / EN

Tarifbindung in Deutschland: EU-Aktionsplan fehlt noch immer

Nur rund die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland arbeitet in tarifgebundenen Unternehmen. Wie die Tagesschau berichtet, fehlt ein von der EU geforderter Aktionsplan der Bundesregierung zur Stärkung der Tarifbindung weiterhin.

Tarifbindung in Deutschland: EU-Aktionsplan fehlt noch immer
Bild: Tagesschau

Die Tarifbindung in Deutschland bleibt schwach: Laut einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung arbeiten nur 49 Prozent der Beschäftigten in tarifgebundenen Unternehmen. Damit liegt die Bundesrepublik im europäischen Vergleich im Mittelfeld, weit hinter Spitzenreitern wie Italien und Belgien mit 100 Prozent. Die Quote sinkt seit Jahren.

Die EU-Mindestlohn-Richtlinie verpflichtet Mitgliedstaaten mit einer Tarifbindung unter 80 Prozent, einen Aktionsplan zur Förderung von Tarifverhandlungen vorzulegen. Die Frist dafür endete Ende 2025. Deutschland gehört zu sechs EU-Ländern, die dieser Pflicht bislang nicht nachgekommen sind – neben Kroatien, Luxemburg, Slowenien, Ungarn und Zypern.

Die Autoren der WSI-Studie kritisieren, dass trotz des Bekenntnisses von Union und SPD im Koalitionsvertrag zu einer höheren Tarifbindung kein Plan vorliege. Die Bundesregierung hatte Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände aufgefordert, Vorschläge einzubringen. Nach einem Spitzentreffen im November 2025 gab es jedoch keine Einigung.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales erklärte, der Nationale Aktionsplan zur Förderung von Tarifverhandlungen (NAP) werde innerhalb der Bundesregierung weiter abgestimmt. Ein konkreter Zeitplan für die Vorlage bei der EU-Kommission wurde nicht genannt.

Quelle: Tagesschau