Édouard Louis, der mit Anfang 20 durch seinen ersten Roman über eine von Armut und Gewalt geprägte Kindheit berühmt wurde, hat ein neues Interview gegeben. Darin spricht der 33-Jährige über seine schwierige Beziehung zu seiner Familie und den Prozess der Befreiung. Das Gespräch erscheint im Ressort Familie der Zeit.
Aufgewachsen in einer Umgebung, die von Homophobie und Rassismus geprägt war, fühlte sich Louis bereits als Kind von seiner Familie entfremdet. „Ich wurde schwul in eine Familie geboren, die alles hasste, was ich war: meine Art zu sein, meine Art zu begehren“, sagt er. Die Familie lebte in einer gesellschaftlichen Klasse, in der ihnen diese Ablehnung beigebracht worden sei.
Das Schreiben über seine Herkunft habe Skandale und Veränderungen ausgelöst, aber auch eine gewisse Annäherung ermöglicht. Dennoch bleibe eine Klassendistanz bestehen, die echte Nähe verhindere. Louis‘ Werke reflektieren die Gewalt, die Familie erzeugen kann, und die Suche nach Verständnis.
Der Autor lebt heute in Paris und hat sich aus seinem früheren Umfeld befreit. Die Stille über die familiären Verhältnisse sei in vielen Familien jedoch weiterhin präsent, so Louis. Das Interview gibt Einblick in den schmerzhaften, aber befreienden Prozess des Schreibens über die eigene Biografie.
Quelle: www.zeit.de



