Ukrainischen Angaben zufolge hat Russland in der Nacht auf Dienstag Kyjiw und andere Großstädte des Landes erneut mit ballistischen Raketen angegriffen. In der südukrainischen Stadt Saporischschja wurden mindestens sechs Menschen getötet und weitere 19 verletzt, schrieb Präsident Wolodymyr Selenskyj in einem Post auf X. Bei dem Angriff habe Russland nordkoreanische ballistische Raketen eingesetzt, fügte er hinzu. In der Hauptstadt Kyjiw wurde zunächst ein Verletzter gemeldet. Bürgermeister Vitali Klitschko schrieb auf Telegram: „Explosionen in der Hauptstadt. Die Stadt steht unter Beschuss. Bleiben Sie in den Schutzräumen.“
Das Nachrichtenportal „Kyiv Independent“ berichtete, Russland habe einen erneuten Angriff mit ballistischen Raketen gestartet. Die ukrainische Luftwaffe warnte dem Bericht zufolge, dass russische Raketen auf Sumy, Charkiw und Tschernihiw zielten.
Weil es den ukrainischen Streitkräften nach viereinhalb Jahren Krieg an Munition zur Raketenabwehr mangelt, hat Russland seine Angriffe mit ballistischen Raketen auf Kyjiw und andere Städte verstärkt. Als effektivste Abwehr gegen ballistische Raketen, die aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit besonders schwierig abzufangen sind, gelten die von den USA produzierten Patriot-Systeme. Die ukrainische Armee hat mehrere davon, aber nicht genügend Abfangraketen.
In Kyjiw wächst die Sorge, dass ungehinderte Raketenangriffe zum kommenden Winter die Infrastruktur des Landes erneut schwer schädigen und die Menschen in der Ukraine in noch größere Not bringen könnten.
Unterdessen setzte die Ukraine bei neuen massiven Drohnenangriffen im russischen Hinterland mindestens eine Ölraffinerie und Lagerhallen des landesweit größten Onlineversandhändlers Wildberries in Brand. Im Gebiet Woronesch brannten Zehntausende Quadratmeter Lagerfläche, wie Gouverneur Alexander Gussew mitteilte. Bei dem Angriff sei ein 49 Jahre alter Mann tödlich verletzt worden, es gebe auch zwei Verletzte, sagte er.
Die Anlagen des Logistikzentrums seien evakuiert worden, teilte Wildberries am Morgen mit. Nach Angaben des Gouverneurs hatte es in der Nacht einen Angriff gegeben, die russische Flugabwehr habe 15 Drohnen abgeschossen. Er sagte nicht, wie viele Drohnen ihr Ziel trafen. Mit ihren Angriffen gegen Wildberries will die Ukraine den Militärnachschub Russlands stören.
In Orsk im Gebiet Orenburg an der Grenze zu Kasachstan geriet nach Meldungen in den sozialen Netzwerken nach einem Drohnenangriff eine Ölraffinerie in Brand. Gouverneur Jewgeni Solnezew bestätigte lediglich, dass ein Feuer in einem Industrieobjekt nach der Attacke ausgebrochen sei. Er sagte nicht, dass es sich um eine Raffinerie gehandelt habe. Verletzte gab es demnach keine. Von ukrainischer Seite gab es zunächst keine Angaben zu den Angriffen.
Einen weiteren Brand in einer Ölraffinerie meldete die russische Staatsagentur Tass aus Komsomolsk am Amur – im äußersten Osten des Landes. Zur Ursache für das Feuer oder zu Drohnenangriffen in der Region gab es zunächst keine Angaben.
Mit den Angriffen im russischen Hinterland will die Ukraine Moskaus Kriegskosten in die Höhe treiben und so den Druck auf die russische Führung erhöhen, über ein Ende der Kämpfe zu verhandeln. Fortschritte dabei zeichnen sich bislang nicht ab.
Bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf die zentralrussische Region Tatarstan waren jüngst mindestens zwölf Menschen getötet worden. Es handelte sich um einen der schwersten ukrainischen Einzelangriffe seit Beginn der russischen Invasion im Februar 2022.
Quelle: www.spiegel.de



