Der Bundestag soll an diesem Donnerstag eine Gesetzesnovelle beschließen, die ab 2027 schrittweise höhere Tabaksteuern und damit deutlich steigende Zigarettenpreise vorsieht. Der Finanzausschuss des Bundestages stimmte der Vorlage am Mittwoch zu, wie die Berliner Morgenpost berichtet. Die Zustimmung im Plenum gilt als sehr wahrscheinlich, der Bundesrat könnte am Freitag Einspruch einlegen – was laut Berliner Morgenpost und t-online als so gut wie ausgeschlossen gilt.
Nach Berechnungen auf Basis des Gesetzesvorhabens wird für das kommende Jahr ein Durchschnittspreis von 9,10 Euro für eine 20er-Packung prognostiziert. 2028 sollen es 9,91 Euro sein, 2029 10,81 Euro und 2030 schließlich 11,78 Euro, wie t-online und die Berliner Morgenpost berichten. Der durchschnittliche Packungspreis lag im Sommer 2026 bei 8,05 Euro. Markenzigaretten könnten bis zu 14 Euro kosten, derzeit liegt ihr Preis unter 10 Euro.
Die Bundesregierung begründet das Vorhaben mit knappen Kassen – es sei ein notwendiger Schritt zur Konsolidierung des Haushalts. Außerdem diene es dem Schutz der öffentlichen Gesundheit. Im vergangenen Jahr nahm der Fiskus 17,6 Milliarden Euro an Tabaksteuern ein. 2027 werde die Steueranhebung 1,5 Milliarden Euro mehr in die Kassen spülen als ohne die Anhebung, heißt es vom Bundesfinanzministerium. Die Steuermehreinnahmen werden der Prognose zufolge Jahr für Jahr steigen, 2030 sollen sie bei 4,5 Milliarden Euro liegen.
Was die Erhöhung für Feinschnitt und andere Produkte bedeutet
Deutlich teurer wird es auch für Nutzer von Feinschnitt, also selbst gedrehten Zigaretten. Aktuell ist eine 30-Gramm-Packung Feinschnitt für sechs bis acht Euro zu haben, sie enthält etwa doppelt so viel Tabak wie in einer vorgefertigten 20er-Zigarettenpackung. Einer Statistik zufolge könnte der gewichtete durchschnittliche Kleinverkaufspreis nach gut acht Euro im kommenden Jahr auf mehr als 12 Euro im Jahr 2030 ansteigen. Teurer werden auch Zigarren, Zigarillos und Wasserpfeifentabak – bei diesen Produkten geht es aber nicht so steil nach oben wie in dem Gesetzgebungsverfahren zwischenzeitlich erwogen wurde.
Die Bundesregierung hatte bereits im Juli einen Gesetzentwurf beschlossen, der ab 2027 jährliche Erhöhungen der Tabaksteuer vorsieht. Union und SPD schärften in einem Änderungsantrag nach – die Vorlage sieht eine stärkere Erhöhung der Tabaksteuer vor als von der Regierung geplant, wie die Morgenpost berichtet.
Krebsforscher für Erhöhung, Tabaklobby warnt vor Schwarzmarkt
Krebsforscher sind für die Steueranhebung – sie hoffen auf eine abschreckende Wirkung hoher Preise und einen Ausstieg von Rauchern aus ihrem Zigarettenkonsum. „Eine Tabaksteuer-Erhöhung ist die wirksamste einzelne Maßnahme, um Menschen zum Nichtrauchen zu motivieren“, sagt Katrin Schaller vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). Die Steueranhebung bedeute nicht zwangsläufig, dass illegaler Handel steige. Die Lieferketten sollten kontrolliert und der Zoll gestärkt werden, sagt Schaller. „Wenn man das mehr unterstützt, sollte das beherrschbar sein mit dem Schwarzmarkt.“
Die Tabaklobby ist von den Plänen nicht begeistert. Michael von Foerster vom Verband der deutschen Rauchtabakindustrie (VdR) sagt: „Wenn klassische Zigarettenpackungen teurer werden, weichen viele Raucher auf Feinschnitt aus, um ihren Geldbeutel zu schonen.“ Nun werde Feinschnitt aber viel teurer und der Preisabstand zu Zigarettenpackungen geringer. „Dadurch werden viele Raucher nicht von legalen Zigaretten auf Feinschnitt umsteigen, sondern von legalen Zigaretten auf illegale Zigaretten – unsere legalen Firmen verlieren Kunden und der Fiskus Steuerzahler, Gewinner ist die organisierte Kriminalität.“
Jan Mücke vom Bundesverband der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE) spricht von „völlig unrealistischen Luftschlössern“. Viele Verbraucher werden in den Schwarzmarkt abwandern und sich illegale Zigaretten in Hinterhöfen besorgen oder im EU-Ausland einkaufen, sagt er und verweist auf eine Studie des Beratungsunternehmens DIW Econ, das ähnliche Steueranhebungen in anderen EU-Staaten analysiert und geschlussfolgert hatte, dass auch in Deutschland Schwarzmarkt-Effekte drohen. Das Bundesfinanzministerium wiederum argumentiert, dass es zum Ausweichen auf den illegalen Markt keine unabhängigen empirischen Daten gebe. Zudem betont die Behörde, dass der Zoll derartigen illegalen Aktivitäten mit Kontrollen entgegentrete.
Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Johannes Wagner hält die Steuererhöhung für richtig, wenngleich für zu schwach und „unambitioniert“ – würde sie noch höher ausfallen, würden mehr Menschen mit dem Rauchen aufhören. Zudem moniert Wagner, dass es der Regierung nicht um Gesundheitsschutz, sondern um reine Haushaltskonsolidierung gehe. „Die Regierung zapft die Tabaksteuer an, um Haushaltslöcher zu stopfen.“ Kritisch äußert sich auch die Linken-Bundestagsabgeordnete Doris Achelwilm, die besonders Menschen mit kleinen Einkommen betroffen sieht. „Wir haben es mit einer weiteren Belastung nach unten zu tun, die den Haushalt nicht retten und die gesundheitspolitische Bilanz kaum steigern wird.“
In Deutschland greifen Millionen Menschen zur Zigarette. Der Mikrozensus 2025 kam auf einen Raucheranteil von 19 Prozent der ab 15-Jährigen: 14 Prozent rauchen eigenen Angaben zufolge regelmäßig und fünf Prozent gelegentlich. Laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum starben im Jahr 2023 rund 131.000 Menschen in Deutschland an den Folgen tabakbedingter Erkrankungen.



