Nach dem Ansturm Zehntausender Migranten auf die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta wehrt sich die Regierung in Madrid gegen den Vorwurf, sie habe Hinweise des Geheimdienstes CNI auf eine Massenankunft in den Wind geschlagen. Man habe keine Berichte erhalten, die vor einer Krise dieses Ausmaßes gewarnt hätten, hieß es aus Regierungskreisen.
Der Sprecher der oppositionellen konservativen Volkspartei (PP), Miguel Tellado, zeigte sich skeptisch: Es sei kaum vorstellbar, dass der CNI von der bevorstehenden „Menschenwelle“ nichts gewusst habe. Auch der Radiosender Cadena Ser berichtete von „mehrfachen Warnungen“. Regierungssprecherin Elma Saiz entgegnete, mit einem derart beispiellosen Ereignis habe niemand gerechnet.
Die genaue Zahl der Ankünfte bleibt unklar: Regionalpräsident Juan Jesús Vivas sprach von 80.000, Madrid hält an 50.000 fest, Marokko nennt 40.000. Die Behörden gehen davon aus, dass die Opferzahl weiter steigen wird – bislang wurden 72 Leichen geborgen, die Regionalregierung spricht von mindestens 88.
Besonders angespannt ist die Lage bei unbegleiteten Minderjährigen: Ceuta betreut mindestens 862 Kinder und Jugendliche, obwohl nur 29 Plätze regulär zur Verfügung stehen. Die Rückführungen der verbliebenen Migranten dauern an, die Zahl der noch Anwesenden wird auf 2.500 bis 5.000 geschätzt.
Quelle: www.zdfheute.de



