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Mit Demenzkranken im Tierpark: Wenn Präriehunde Kindheitserinnerungen wecken

Sieben Menschen mit Demenz besuchen den Berliner Tierpark. Vor den Gehegen von Präriehunden und Büffeln kehren plötzlich Bilder aus der Kindheit zurück – manchmal auch schmerzhafte.

Mit Demenzkranken im Tierpark: Wenn Präriehunde Kindheitserinnerungen wecken
Bild: tagesspiegel.de

Der Berliner Tierpark wird an diesem Tag zum Ort der Begegnung mit der Vergangenheit. Sieben Menschen mit Demenz machen einen Ausflug in den weitläufigen Park im Osten der Stadt. Begleitet werden sie von Betreuern und Angehörigen, die wissen, dass Tiere oft Türen öffnen, die sonst verschlossen bleiben.

Vor dem Gehege der Präriehunde stockt einer der Besucher. „Da, die kleinen Kerle – die waren früher bei uns im Garten“, sagt er leise. Seine Tochter, die ihn begleitet, schaut überrascht. Von einem Garten hat er nie erzählt. Doch die aufrechten, neugierigen Erdhörnchen haben ein Bild in ihm wachgerufen, das lange verschüttet schien.

Ähnlich ergeht es der Gruppe vor den Büffeln. Eine Frau beginnt zu erzählen, wie ihr Vater sie als Kind auf einen Bauernhof mitnahm, wo es Kühe gab – und einen alten Büffel, der immer am Zaun stand. „Der hat so komisch gegrunzt“, sagt sie und lacht. Für einen Moment ist die Demenz vergessen, die Gegenwart klar.

Doch nicht alle Erinnerungen sind sanft. Vor dem Eisbärengehege hält ein Mann inne und wird still. „Das weiße Fell – das erinnert mich an etwas Schlimmes“, sagt er stockend. Die Betreuerin legt ihm die Hand auf den Arm, lenkt ihn sanft zu den Robben. Der Tierpark ist auch ein Ort, an dem Verdrängtes hochkommen kann – und wo einfühlsame Begleitung nötig ist.

Der Ausflug ist Teil eines Projekts, das zeigt, wie Tiere als Brücke zu verlorenen Erinnerungen wirken können. Ähnliche Angebote gibt es inzwischen in mehreren deutschen Zoos. Im Zoo Zürich etwa bietet Führerin Flavia Zangerle seit 2018 spezielle Touren für Menschen mit Demenz an – mit Pinguinfedern und Koalakot als Tastobjekten. Das Projekt erhielt 2023 den Alzheimer-Fokuspreis.

Für die Berliner Gruppe geht der Nachmittag weiter. Am Ende sitzen alle im Café, blättern in Fotos, die sie selbst gemacht haben. Eine Frau hält ein Bild von einem Zebra in der Hand. „Das war schön“, sagt sie. „Das war richtig schön.“

Quelle: www.tagesspiegel.de