So., 11 Okt. 2026 Kyjiw 08:57Berlin 07:57London 06:57 UKR / DE / EN

DIU nennt 20 Schiffe der russischen Schattenflotte

Der ukrainische Verteidigungsnachrichtendienst hat Daten zu 20 russischen Schiffen veröffentlicht, die Öl und Flüssigerdgas transportieren. Laut Ukrinform sind alle mit britischen oder ukrainischen Sanktionen belegt, während eines der Schiffe US-Beschränkungen unterliegt.

DIU nennt 20 Schiffe der russischen Schattenflotte
Symbolbild: Nothing Ahead / Pexels

Der ukrainische Verteidigungsnachrichtendienst hat Daten zu 20 russischen Schiffen veröffentlicht, die Öl und Flüssigerdgas transportieren. Laut Ukrinform sind alle mit britischen oder ukrainischen Sanktionen belegt, während eines der Schiffe US-Beschränkungen unterliegt.

Der Verteidigungsnachrichtendienst der Ukraine (DIU) hat auf Telegram Angaben zu 20 russischen Schiffen veröffentlicht, die an der Ausfuhr von Öl und Flüssigerdgas (LNG) beteiligt sind. Wie die Nachrichtenagentur Ukrinform am Sonntag berichtet, gehören die Schiffe zu dem Logistiknetz, mit dem der Kreml Einnahmen zur Finanzierung seines Krieges gegen die Ukraine erzielt.

„Diese Schiffe sind Teil des Logistiknetzes, das der Kreml nutzt, um Einnahmen zur Finanzierung seines Völkermordkrieges gegen die Ukraine zu erwirtschaften. Alle von ihnen unterliegen derzeit Sanktionen, die vom Vereinigten Königreich oder der Ukraine verhängt wurden, während eines der Schiffe US-Beschränkungen unterliegt“, zitiert Ukrinform aus der Mitteilung des DIU.

Als Hauptgegenstand der Veröffentlichung nennt der DIU den russischen Tanker PORTOVYY (IMO 9246621), der für den Transport und die Lagerung von Flüssigerdgas ausgelegt ist. Seit 2021 gehört das Schiff dem sanktionierten russischen Unternehmen PJSC Gazprom und diente als schwimmendes Gasspeichermittel am Portowaja-Komplex in der Region Leningrad. „Am 15. August 2026 verließ PORTOVYY mit einer Ladung russischen LNG erstmals seit November 2021 den Finnischen Meerbusen. Der Tanker fuhr über die Nördliche Seeroute zum chinesischen Hafen Beihai zur Entladung“, so der Dienst. Derzeit liegt das Schiff auf der Werft Zhoushan Huafeng auf der Insel Zhoushan in China, die als Wartungsstandort vorgesehen ist.

Zwei neue Gastanker und ein Netzwerk von Briefkastenfirmen

Der DIU veröffentlichte zudem Angaben zu zwei neuen Schiffen, die Russland nach Darstellung des Dienstes im Frühjahr 2026 über Tarnfirmen rund um den Globus hastig für seine Schattenflotte von Gastankern erworben hat. Es handelt sich um den konventionellen LNG-Tanker AVACHA (IMO 9319404) und den Gastanker CHAIVO. AVACHA gehörte zuvor dem chinesischen Unternehmen Jovo Energy, wurde im Frühjahr 2026 aber von der wenig bekannten, auf den Marshallinseln registrierten Firma Tudor Maritime Ltd übernommen. Seit Juni 2026 fährt der Tanker unter russischer Flagge und wird von der neu gegründeten russischen Gesellschaft Kryoline Management LLC (TIN 6500028647) betrieben. Seit August 2026 transportiert das Schiff laut DIU Gas vom Utrenny-Terminal des sanktionierten Projekts Arctic LNG 2 zum Hub Beihai in China.

CHAIVO gehörte zuvor der griechischen Maran Gas Maritime und wurde ebenfalls von Tudor Maritime Ltd erworben. „Seit Juli 2026 wurde das Schiff unter russische Flagge gestellt und unter das Dach von Kryoline Management LLC gebracht. Seit August dieses Jahres transportiert der Gastanker Ladungen zum Hafen Beihai von der sanktionierten schwimmenden, nicht selbst fahrenden Gasspeichereinheit KORYAK FSU, die sich in den Gewässern des Hafens von Petropawlowsk-Kamtschatski befindet“, so der DIU.

Der Dienst erklärte, Russland versuche nicht nur, Eisklasse-Schiffe auf eigenen Werften zu bauen, sondern erweitere seine Schattenflotte systematisch und proaktiv über ein Netzwerk von Offshore-Gesellschaften, um die kritisch wichtigen Einnahmen aus Energieexporten zu sichern. Der DIU rief ausländische Partner zur Koordinierung auf: Die Kontrolle über den Verkauf von Schiffen kommerzieller Eigentümer müsse verschärft, Russlands Energiereichtümer müssten entschieden abgeschnitten und Möglichkeiten sanktionierter Schiffe, in ausländischen Werften Dienstleistungen zu erhalten, blockiert werden. „Jeder russische Tanker, der sanktioniertes Öl oder Gas transportiert, ist ein legitimes Ziel für internationalen Sanktionsdruck“, so der Dienst.

London setzt Sanktionen gegen Tanker und Ölkonzerne fort

Die Angaben des DIU fallen in eine Phase, in der westliche Staaten ihre Sanktionen gegen die russische Schattenflotte ausweiten. Großbritannien hat am Donnerstag, 8. Oktober, nach Angaben des britischen Außenministeriums 38 neue Einträge auf seine Russland-Sanktionsliste gesetzt, wie die Berliner Zeitung berichtet. Betroffen sind unter anderem die Ölunternehmen Zarubezhneft und INK Capital, zwölf weitere Tanker der sogenannten Schattenflotte, drei Kryptobörsen, zwei Zahlungsplattformen sowie 17 Zulieferer von Gütern für die russische Rüstungsproduktion.

Nach Angaben des Außenministeriums in London entfallen auf die bislang mit britischen Sanktionen belegten russischen Ölunternehmen inzwischen mehr als 90 Prozent der gesamten Ölförderkapazität Russlands. Mit den zwölf zusätzlichen Tankern steigt die Zahl der von London sanktionierten Schiffe der Schattenflotte auf über 600. Drei der sanktionierten Krypto- und Zahlungsdienstleister haben nach britischer Darstellung einen Bezug zu Kirgisistan. Zwei Einrichtungen sollen Zahlungen für das sogenannte A7-Netzwerk abgewickelt haben, das laut Außenministerium zur Umgehung westlicher Finanzsanktionen genutzt wird. Das Netzwerk habe im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben mehr als 90 Milliarden US-Dollar bewegt – etwa die Hälfte der jährlichen russischen Militärausgaben. Die russische Botschaft in London reagierte laut der Nachrichtenagentur Reuters zunächst nicht auf eine Anfrage.

Kyjiw meldet Angriffe auf Hunderte Schattenflotten-Schiffe

Die ukrainischen Streitkräfte gehen die Schattenflotte auch militärisch an. Robert „Magyar“ Brovdi, Kommandeur der unbemannten Systeme der Ukraine, erklärte am 12. September 2026, ukrainische Einheiten hätten seit Beginn der Operation MoLoChKa vor zehn Wochen 285 Schiffe der russischen Schattenflotte im Asowschen Meer und im Schwarzen Meer bekämpft, wie das Nachrichtenportal Ukrajinska Prawda berichtete. Demnach wurden 215 Schiffe im Juli, 54 im August und weitere 16 zwischen dem 1. und 11. September getroffen. Die Operation habe den Verkehr der Schattenflotte im Asowschen Meer und in der Straße von Kertsch faktisch gestoppt und im nördlichen und nordöstlichen Schwarzen Meer erheblich gestört, so Brovdi. Er veröffentlichte ein Video, das nach seinen Angaben einen Angriff auf einen sanktionierten Öltanker zeigt, der von einem russischen Hubschrauber begleitet wurde.

Die Sanktionslücken beim russischen Flüssiggas sind seit Jahren bekannt. Die Süddeutsche Zeitung beschrieb bereits im November 2024, wie die USA einen globalen Boykott des neuen Terminals Arctic LNG 2 durchsetzen, während aus zwei älteren Anlagen in der Nachbarschaft – Jamal LNG und Portowaja – weiterhin LNG auf den Weltmarkt fließt, weil Washington diese Terminals nicht sanktioniert. Auch die EU ging damals bei russischem Flüssiggas nur zögerlich vor.

Für die Ukraine geht es bei all dem um Geld, das direkt in den Krieg fließt. Der DIU hatte nach eigenen Angaben zuvor bereits ein Schema aufgedeckt, mit dem russische Agrargrößen Sanktionen umgehen und in der EU Einnahmen zur Finanzierung des Krieges gegen die Ukraine erzielen. Die neuen Angaben zu den 20 Schiffen sollen Partnern helfen, den Verkauf von Schiffen kommerzieller Eigentümer schärfer zu kontrollieren und sanktionierten Tankern die Wartung in ausländischen Werften zu verwehren – ein Hebel, der weit über die Ukraine hinaus wirkt.

Quellen

EuroPulse auf Telegram: die wichtigsten Nachrichten kurz und auf Ukrainisch →