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Polen und Ukraine: Wie ein UPA-Ehrenname die Beziehungen belastet

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat einen Spezialeinheitsverband nach der umstrittenen Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA) benannt. In Polen stößt die Entscheidung auf scharfe Kritik – Regierungschef Donald Tusk spricht von verletzten historischen Gefühlen.

Polen und Ukraine: Wie ein UPA-Ehrenname die Beziehungen belastet
Bild: cdn.prod.www.spiegel.de

Wie der Spiegel berichtet, hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj per Dekret das Operationszentrum Nord der Spezialeinsatzkräfte mit dem Ehrennamen „Helden der UPA“ versehen. Die Ukrainische Armee (UPA) war im Zweiten Weltkrieg für Massaker an Polen verantwortlich und arbeitete zeitweise mit dem nationalsozialistischen Deutschland zusammen. Die offizielle Begründung in Kiew lautet, man wolle damit die historischen Traditionen der nationalen Armee wiederherstellen.

Empörung in Warschau

Polens Ministerpräsident Donald Tusk reagierte umgehend auf die Entscheidung. Auf der Plattform X schrieb er, Selenskyjs Schritt verletze die historische Sensibilität Polens. Tusk warnte zugleich vor den Folgen des Streits: „Wenn wir uns über die Vergangenheit streiten, gewinnt jemand anderes die Zukunft. Der Präsident der Ukraine sollte das endlich verstehen. Die Polen auch. Bevor es zu spät ist!“ Noch schärfer äußerte sich Karol Nawrocki, der vorschlug, Selenskyj den Orden des Weißen Adlers – die höchste polnische Auszeichnung – wieder zu entziehen.

Historischer Hintergrund der UPA

Die UPA entstand 1942 als militärischer Arm der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN). Ihr Ziel war ein unabhängiger ukrainischer Staat. In der Region Wolhynien, die bis 1939 zu Polen gehörte und nach dem Hitler-Stalin-Pakt der Ukrainischen Sowjetrepublik zugeschlagen wurde, töteten UPA-Angehörige zwischen 1943 und 1944 schätzungsweise bis zu 100.000 ethnische Polen. Der Höhepunkt der Gewalt lag im Juli 1943; viele Opfer starben in brennenden Kirchen. Bei polnischen Vergeltungsaktionen kamen Schätzungen zufolge bis zu 20.000 Ukrainer ums Leben.

In der heutigen Ukraine, vor allem im Westen des Landes, werden die Kämpfer von OUN und UPA von Teilen der Bevölkerung als Freiheitshelden verehrt. Die unterschiedliche Bewertung dieser historischen Figur belastet das polnisch-ukrainische Verhältnis seit Jahren. Bereits 2024 führte die Uneinigkeit über das Massaker von Wolhynien zu diplomatischen Spannungen zwischen Kiew und Warschau.

Belastungsprobe im Kriegsjahr fünf

Der aktuelle Streit fällt in eine besonders sensible Phase: Seit Februar 2022 verteidigt sich die Ukraine gegen den russischen Angriffskrieg, und Polen zählt zu ihren wichtigsten Unterstützern. Die polnische Regierung liefert Waffen, nimmt Flüchtlinge auf und setzt sich auf EU-Ebene für die Ukraine ein. Der Geschichtsstreit droht nun, diese Solidarität zu untergraben. Tusk selbst mahnte, die Auseinandersetzung über die Vergangenheit dürfe nicht dazu führen, dass ein Dritter – gemeint ist Russland – davon profitiere.

Ob und wie die Regierungen in Kiew und Warschau den Konflikt entschärfen können, ist offen. Bislang gibt es keine Signale, dass Selenskyj die Entscheidung zurücknehmen will. Die polnische Führung wiederum erwartet eine klare Geste der Anerkennung des polnischen Leids. Der Ton zwischen beiden Seiten bleibt angespannt.

Quelle: www.spiegel.de