Aleksandr Lunin, ein ehemaliger russischer Frontsoldat, veröffentlichte am 25. Juni ein Video mit dem Titel „Mitteilung an W.W. Putin“. Darin fordert er den Kremlchef auf, ihm zeitnah eine live übertragene Audienz zu gewähren. Andernfalls werde er „die volle Wahrheit darüber sagen, was bei uns im Land passiert“, so Lunin. Er spricht von Dutzenden, Hunderten, Tausenden Soldaten, die in der Armee im Arrest säßen, gefoltert und bestraft würden, weil sie sich geweigert hätten, „dumme, selbstmörderische Befehle“ zu befolgen. Sollte er nicht in den Kreml eingeladen werden, droht Lunin: „Dann wird die Armee ihre Waffen gegen den Kreml richten.“
Das Video verbreitete sich rasant: Innerhalb kürzester Zeit wurde es etwa zehn Millionen Mal aufgerufen und erhielt Hunderttausende Likes, vor allem über Telegram, wo Lunin mehr als 12.000 Abonnenten hat. Der Ex-Soldat betont, er handele im Namen des Volkes, „der ehrlichen Menschen in Russland“. Ob hinter seinem Aufruf eine Gruppe Gleichgesinnter oder organisierte Regierungskritiker stehen, ist unklar.
Statt einer Einladung in den Kreml schickte die Polizei eine Razzia zu Lunins Wohnhaus im Dorf Lisinowka in der Region Woronesch. Seine Frau Tatjana berichtete in einem Video, die Beamten hätten sämtliche elektronischen Geräte und Speichermedien konfisziert. Lunin selbst war zu dem Zeitpunkt nicht vor Ort – er war mit einem Bekannten nach Moskau gefahren. Ein guter Bekannter teilte später via Telegram mit, Lunin lebe und sei gesund, aber für elf Tage in Ordnungshaft genommen worden.
Kremlsprecher Dmitri Peskow reagierte auf die Forderung nach einer Audienz: „Man muss sich das erst einmal anschauen“, sagte er zurückhaltend. Der Aufruf erinnert an den Aufstand der Söldnertruppe Wagner um Jewgenij Prigoschin im Juni 2023, der mit einem bewaffneten Marsch auf Moskau endete und nach Prigoschins Tod im August 2023 verebbte.
Quelle: www.spiegel.de



