Die Zahl der Jugendlichen mit Geschlechtsdysphorie steigt seit Jahren stark an. Das zeigt ein Blick in die Spezialambulanz für Geschlechtsidentität am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Die psychologische Psychotherapeutin Saskia Fahrenkrug kann dort zwei Entwicklungen ablesen: Immer mehr junge Menschen melden sich, weil sie unter dem Widerspruch zwischen ihrer empfundenen und dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht leiden. Und das Verhältnis der Geschlechter hat sich verschoben.
Früher war die Verteilung weitgehend ausgeglichen. Heute stellen sich überwiegend biologische Mädchen vor – rund 80 Prozent der Jugendlichen in der Sprechstunde wurden bei der Geburt dem weiblichen Geschlecht zugeordnet und verorten sich heute als männlich, also als trans Jungen. Das berichtet Fahrenkrug im Gespräch mit der Zeit.
Die hohe Zahl in Behandlung sagt jedoch nicht alles über die tatsächliche Verteilung aus. Mädchen suchen tendenziell früher und häufiger professionelle Hilfe als Jungen. Auch der Zeitpunkt des Coming-outs spielt eine Rolle: Jungen outen sich im Schnitt früher als trans Mädchen.
Ein Grund könnte sein, dass Mädchen sich früher mit ihrem Körper auseinandersetzen müssen – verstärkt durch gesellschaftliche Erwartungen und Schönheitsideale. Die Dynamik zwischen Geschlechtsidentität und Pubertät wirft Fragen auf: Wird das Frausein als besondere Herausforderung empfunden? Und wird Männlichkeit gesellschaftlich höher bewertet? Experten diskutieren diese Zusammenhänge, doch eindeutige Antworten gibt es nicht.
Quelle: www.zeit.de



