Mo., 06 Juli 2026 Kyjiw 06:40Berlin 05:40London 04:40 UKR / DE / EN

Selbstnutzer von Immobilien in Deutschland steuerlich benachteiligt

Eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, dass der Kauf und die Selbstnutzung einer Immobilie in Deutschland finanziell deutlich unattraktiver ist als die Vermietung. Der Renditeunterschied innerhalb von 15 Jahren beträgt rund 87.000 Euro.

Selbstnutzer von Immobilien in Deutschland steuerlich benachteiligt
Bild: media0.faz.net

Eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, dass der Kauf und die Selbstnutzung einer Immobilie in Deutschland finanziell deutlich unattraktiver ist als die Vermietung. Der Renditeunterschied innerhalb von 15 Jahren beträgt rund 87.000 Euro.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat in einer aktuellen Auswertung die steuerliche Behandlung von Immobilieneigentümern in Deutschland mit der in sechs anderen europäischen Ländern verglichen. Das Ergebnis: Selbstnutzer sind hierzulande klar benachteiligt. Kauft jemand eine Eigentumswohnung in einer Metropole für 300.000 Euro und bewohnt sie selbst, entgeht ihm im Vergleich zu einem Vermieter über 15 Jahre ein Ertrag von etwa 87.000 Euro.

Der Grund liegt im Steuerrecht: Vermieter können die Immobilie abschreiben und Ausgaben wie Kreditzinsen oder Instandhaltungskosten von der Steuer absetzen. Selbstnutzern bleibt dieser Abzug verwehrt. Die Rendite auf das eingesetzte Kapital liegt laut Studie für Vermieter bei fast neun Prozent, für Selbstnutzer dagegen nur bei sechs Prozent. Außerhalb der Großstädte fällt der Nachteil mit 40.000 bis 50.000 Euro geringer aus.

Im internationalen Vergleich schneidet Deutschland besonders schlecht ab. In Ländern wie den Niederlanden, Frankreich oder Österreich fördert der Staat die Selbstnutzung – etwa durch niedrigere Kaufnebenkosten oder eine höhere Besteuerung von Mieteinnahmen. In Deutschland hingegen erzielen Vermieter mit durchschnittlich rund sieben Prozent die höchste Rendite aller untersuchten Länder, Selbstnutzer die niedrigste. Das zeigt sich auch in der Wohneigentumsquote: 2022 lebten nur 44 Prozent der Deutschen in den eigenen vier Wänden, während der EU-Schnitt bei rund 70 Prozent liegt.

IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer kritisierte die Politik: „Wohneigentum ist Vermögensaufbau und Altersvorsorge in einem – mit einem Freibetrag bei der Grunderwerbsteuer für Selbstnutzer könnte der Staat das fördern.“ Viele Menschen träumten vom Eigenheim, doch der deutsche Staat lege ihnen Steine in den Weg. Die Studie vergleicht die Bundesrepublik mit sechs europäischen Ländern, darunter die Niederlande, Frankreich und Österreich.

Quelle: www.faz.net