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Indien: Proteste gegen Missstände im Bildungssystem weiten sich aus

Seit Wochen protestieren in Indien vor allem junge Menschen für ein gerechteres Bildungssystem. Die Bewegung hat sich von Neu-Delhi auf das ganze Land ausgeweitet.

Indien: Proteste gegen Missstände im Bildungssystem weiten sich aus
Bild: cdn.prod.www.spiegel.de

Seit Wochen protestieren in Indien vor allem junge Menschen für ein gerechteres Bildungssystem. Die Bewegung hat sich von Neu-Delhi auf das ganze Land ausgeweitet.

Die Polizei geht mit Tränengas und Schlagstöcken gegen sie vor. Eins der bekanntesten Gesichter der Protestbewegung ist Sonam Wangchuk, ein indischer Ingenieur und Aktivist. Seit dem 28. Juni im Hungerstreik. Am letzten Wochenende wurde er gewaltsam in ein Krankenhaus gebracht. Beim darauffolgenden Marsch auf das Parlament kam es zu Ausschreitungen. Die Demonstranten zogen friedlich durch die Innenstadt und wurden von der Polizei mit Gewalt zurückgedrängt.

Die Demonstrierenden fordern unter anderem den Rücktritt von Indiens Bildungsminister. Über zwei Millionen angehende Medizinstudierende mussten ihre Aufnahmeprüfung wiederholen, da die Aufgaben zuvor geleaked worden waren. Mehr als ein Dutzend junge Menschen nehmen sich in der Folge das Leben. Für die Hinterbliebenen der Suizidopfer werden umgerechnet 90.000 Euro von den Demonstrierenden gefordert. Am Mittwoch äußerte sich Indiens Gesundheitsminister: J.P. Nadda sagte, die Angelegenheit werde im Parlament diskutiert werden. Rückendeckung bekommen die jungen Menschen inzwischen auch von der Opposition. Rahul Gandhi, Oppositionsführer, sagte: „Wir stehen zu 100 Prozent hinter jedem einzelnen Studenten. Wir stehen voll und ganz hinter euch und werden dafür sorgen, dass ihr geschützt seid und eure Zukunft gesichert ist.“

Die Proteste weiten sich mittlerweile auch landesweit aus. In der Hauptstadt gelten unterdessen weiterhin strenge Sicherheitsvorkehrungen. Aus Sicherheitsgründen wurden zwischenzeitlich 16 U-Bahn-Stationen geschlossen. Derweil erhalten die Protestierenden Unterstützung aus der Bevölkerung. Anonyme Spender schicken Essenslieferungen zum Protestgelände – per Lieferdienst.

Quelle: www.spiegel.de