Die niedersächsische Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) hat am Donnerstag in Hannover eine umfassende Reform der gymnasialen Oberstufe angekündigt. „Wir denken die Oberstufe in Niedersachsen grundsätzlich neu“, sagte sie. Ziel sei es, Schülerinnen und Schüler besser auf Studium und Beruf vorzubereiten, indem Unterricht und Prüfungen moderner gestaltet und die Beteiligten entlastet werden.
Kernpunkte der Reform sind eine flexiblere Fächerwahl und weniger schriftliche Arbeiten. In der Einführungsphase sollen die Fächer künftig in einen Pflichtbereich und zwei Wahlpflichtbereiche aufgeteilt werden. Pflicht bleiben unter anderem Deutsch, Mathematik, eine Fremdsprache und Sport. Im Wahlpflichtbereich können Schülerinnen und Schüler individuelle Schwerpunkte setzen, etwa in Musik, Kunst oder Informatik. Der Stundenplan soll einen Umfang von 30 Wochenstunden haben.
Die Zahl der Klausuren wird reduziert, insbesondere im Halbjahr vor den Abiturprüfungen. Die Facharbeit entfällt, stattdessen können kombinierte Leistungsnachweise wie Podcasts oder Podiumsdiskussionen erbracht werden. Im Abitur selbst sind künftig nur noch drei statt vier schriftliche Prüfungen vorgesehen. Hamburg begründet dies mit der wachsenden Bedeutung mündlicher Kommunikation in Studium und Beruf.
Die CDU-Fraktion im Landtag übt scharfe Kritik. Die Kultuspolitikerin Sophie Ramdor (CDU) wirft der Ministerin vor, die Anforderungen abzusenken: „Die Ministerin verspricht ein unverändert hohes Leistungsniveau, aber Facharbeit und Seminarfach werden gestrichen, die Zahl der schriftlichen Abiturprüfungen wird reduziert.“ Zudem sei die versprochene Wahlfreiheit nur dann real, wenn Schulen die Kurse tatsächlich anbieten könnten – daran mangele es vor allem auf dem Land. Auch der Arbeitgeberverband Niedersachsenmetall warnt, dass MINT-Fächer abgewählt werden könnten, begrüßt die Reform aber grundsätzlich.
Quelle: www.ndr.de



