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Ukraines Wirtschaft: Prognosen zwischen −1 und +3,5 Prozent

Das wiiw senkt die Wachstumsprognose auf 0,6 Prozent. Warum die Schätzungen für 2027 so weit auseinanderliegen und von welchen Annahmen sie abhängen: Kriegsdauer, Geld aus dem Ausland, Inflation.

Ukraines Wirtschaft: Prognosen zwischen −1 und +3,5 Prozent
Symbolbild: Max Kladitin / Pexels

Das wiiw senkt die Wachstumsprognose auf 0,6 Prozent. Warum die Schätzungen für 2027 so weit auseinanderliegen und von welchen Annahmen sie abhängen: Kriegsdauer, Geld aus dem Ausland, Inflation.

Wie schnell wächst die ukrainische Wirtschaft 2027? Je nachdem, wen man fragt: um 3,5 Prozent – oder schrumpft sie um ein Prozent. Diese Spanne zeigt, wie stark jede Prognose von Annahmen abhängt, die kein Ökonom kontrollieren kann.

Den jüngsten Anstoß gibt das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw). Es senkt seine Wachstumsprognose für 2026 auf 0,6 Prozent, 0,4 Punkte weniger als im Juli. Für 2027 erwartet es nur noch 2,1 Prozent – und knüpft das an eine Bedingung: dass die Ukraine genug ausländische Finanz- und Militärhilfe bekommt. Ukraine-Expertin Olga Pindyuk sagte laut dpa: „Der fünfte Kriegswinter dürfte die Ukraine vor eine harte Bewährungsprobe stellen.“ Die Wirtschaft stehe „mit dem Rücken zur Wand“.

Was drückt die Konjunktur?

Das wiiw nennt russische Luftangriffe auf Energieanlagen, Infrastruktur und Verladeeinrichtungen an den Schwarzmeerhäfen. Die Getreideausfuhren sanken im August um 70 Prozent gegenüber Juli, die Stahlindustrie leidet stark. Hinzu kommen die Preise: Laut dem Statistikamt Derzhstat stieg die Inflation im September auf 10,0 Prozent, nach 8,1 Prozent im August. Treibstoff war 46,2 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Die Nationalbank hob ihren Leitzins am 17. September auf 16 Prozent an und verwies auf „anhaltenden Preisdruck“ und Zweitrundeneffekte von Angebotsschocks. Hohe Zinsen bremsen Kredite und Investitionen zusätzlich.

Warum liegen die Prognosen so weit auseinander?

Institution 2026 2027
Internationaler Währungsfonds (13.10.) 1,0 % 3,5 %
Weltbank (6.10.) 1,2 % 1,5 %
EBRD 1,5 % 2,5 %
wiiw (21.10.) 0,6 % 2,1 %
Dragon Capital −0,5 % −1,0 %

Der IWF hält an 3,5 Prozent für 2027 fest, will die Zahl aber im Sommer überprüfen. Die Weltbank hat ihre Prognose für 2027 dagegen von 4 auf 1,5 Prozent gekappt, weil sie von Kämpfen bis mindestens Ende 2027 ausgeht. Wirtschaftsminister Oleksandr Kravchenko erwägt laut Interfax, die eigenen Zahlen auf 0,5 Prozent für 2026 und 0,8 bis 1 Prozent für 2027 zu senken.

Unsere Einschätzung: Die Unterschiede sind weniger ein Streit über Zahlen als über zwei Annahmen – wie lange gekämpft wird und ob das Geld fließt. Die Weltbank nennt die Finanzierung 2027 selbst die größte Unsicherheit. Die Ukraine meldet für 2027 eine Lücke von 70 Milliarden Euro, die über das EU-Darlehen von 90 Milliarden Euro hinausgeht; die Kommission soll einen Vorschlag vorlegen, wie wir berichtet haben. Ein Beschluss ist nicht in Sicht. Solange das offen bleibt, sind die höheren Prognosen eher Szenarien als Erwartungen. Mit hoher Sicherheit lässt sich nur sagen: Ein Aufschwung ist im Winter nicht zu erwarten.

Auch Russland wächst kaum, so das wiiw: 0,6 Prozent in diesem, 1,3 Prozent im nächsten Jahr. Wasili Astrow zufolge kann Moskau den Krieg 2027 dennoch finanzieren, weil sich der Staat weiter bei heimischen Banken Geld leihen kann. Die ukrainischen Drohnenangriffe auf Raffinerien lösten zwar eine Treibstoffkrise aus, doch ein schneller Kollaps sei das nicht.

Für Ukrainerinnen und Ukrainer in Deutschland heißt das vor allem: Wer Angehörige in der Heimat unterstützt, muss mit weiter steigenden Preisen rechnen, besonders bei Sprit und Transport. Die Teuerung dort trifft Rentner und Familien mit festem Einkommen am härtesten.

Quellen: dpa/t-online (wiiw-Prognose), wiiw, Interfax-Ukraine (IWF), Interfax-Ukraine (Weltbank), Nationalbank der Ukraine

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