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Ukraine-Gespräche im November: Wer was fordert

Selenskyj nennt Gebiete eine rote Linie, Moskau spricht von einer Sondierung: Vor dem geplanten Start der technischen Gespräche liegen die Positionen weit auseinander.

Ukraine-Gespräche im November: Wer was fordert
Symbolbild: Werner Pfennig / Pexels

Selenskyj nennt Gebiete eine rote Linie, Moskau spricht von einer Sondierung: Vor dem geplanten Start der technischen Gespräche liegen die Positionen weit auseinander.

Kyjiw, Moskau und Washington wollen sich in der ersten Novemberhälfte wieder an einen Tisch setzen – zunächst nur auf Arbeitsebene, voraussichtlich in Abu Dhabi. Einen festen Termin gibt es nicht (Stand: 25. Oktober, Abend). Die Erwartungen sind auf beiden Seiten niedrig, und das hat gute Gründe.

Die bislang letzte trilaterale Runde fand am 17. und 18. Februar in Genf statt, davor hatte man sich am 23./24. Januar und am 4./5. Februar in Abu Dhabi getroffen. Weitere Termine wurden nach Angaben von Radio Swoboda wegen der Angriffe auf den Iran verschoben. Neuen Schwung brachte der US-Sondergesandte Steve Witkoff: Am 20. Oktober sprach er in Oslo mit Selenskyj und europäischen Vertretern, am 21. Oktober rund drei Stunden mit Putin in Sankt Petersburg.

Was Selenskyj anbietet – und was nicht

In einem Interview mit „TSN.Tyzhden“ und einem Telegram-Beitrag vom Sonntag hat der ukrainische Präsident seine Linien abgesteckt. Gebietsfragen seien eine „rote Linie“ und könnten nur auf Ebene der Staatschefs besprochen werden. Grenzen für die ukrainische Armee und eine Neutralität des Landes stünden nicht zur Debatte, Sicherheitsgarantien könne Russland nicht diktieren. „Erstens: Wir tauschen nichts gegen nichts“, sagte er sinngemäß.

Für die Arbeitsgruppen schlägt Kyjiw konkrete Ergebnisse vor: eine Energie-Waffenruhe, eine Regelung für die Schifffahrt im Schwarzen Meer, Getreide, einen Austausch „alle gegen alle“ bei den Gefangenen oder ein Treffen der Staatschefs. „Wir fordern nicht, wir schlagen den Amerikanern vor“, so Selenskyj. Eine Energie-Waffenruhe wäre aus seiner Sicht „ein Signal“, dass Moskau es ernst meint.

Heikel ist die Sanktionsfrage. Selenskyj will nicht, dass vor einem Dreiertreffen mit Trump und Putin alle Sanktionen fallen: Sie seien für die Aggression verhängt worden, nicht für Gesprächsbereitschaft. Ohne Sanktionen und eingefrorenes Vermögen verliere die Ukraine gegenüber Putin ihren Hebel. Dafür gebe es eine „Reihenfolge der Aufhebung“, die er mit der US-Delegation besprochen habe. Zugleich fordert er eine zehnjährige Finanzierung der ukrainischen Streitkräfte als Sicherheitsgarantie.

Moskaus Signal: bereit, aber ohne Eile

Kremlberater Juri Uschakow erklärte im russischen Staatsfernsehen, man sei „nach dem 4. November“ bereit, die Verhandlungen wieder aufzunehmen. Viel zu erwarten sei nicht: „Bei der ersten Begegnung lässt sich auch nicht viel lösen“, es gehe um eine Sondierung. Der Druck der USA auf Kyjiw seit dem Alaska-Gipfel 2025 habe „bislang nicht wirklich funktioniert“, auch dank der europäischen Unterstützung. Europa müsse am Ende mit am Tisch sitzen; Kremlsprecher Peskow sagte, die ersten Gespräche seien trilateral, die Europäer könnten später dazustoßen.

Inhaltlich bleibt der Kern ungelöst: Moskau verlangt weiterhin ganz Donbass, Selenskyj lehnt das ab. Auf Witkoffs neue Vorschläge reagierte der Kreml laut Berliner Zeitung zurückhaltend.

Auffällig ist das Datum. Selenskyj sagte, falls Russlands Gesprächsbereitschaft nur Taktik sei, um vor „Wahlen“ eine Eskalation mit den USA zu vermeiden, werde das im November klar. Gemeint sein dürften die US-Zwischenwahlen am 3. November – der 4. November, den Uschakow nennt, liegt genau einen Tag danach. Das ist unsere Lesart, belegt ist sie nicht.

Der erste Test ist ein lokaler

Wie belastbar der Prozess ist, zeigt sich schon vorher in Oleschky: Die Feuerpause für die Stadt in der Region Cherson soll nach russischen Angaben am 27. Oktober um 4 Uhr beginnen, das Weiße Haus nannte dagegen den 29. Oktober. Wir haben darüber bereits berichtet. Hält die Pause, wäre das ein kleiner Vertrauensbeweis; scheitert sie, dürfte die Skepsis vor Abu Dhabi wachsen.

Unsere Einschätzung, mit mäßiger Sicherheit: Am wahrscheinlichsten ist eine Runde mit begrenzten Ergebnissen – etwa einem Gefangenenaustausch oder einer zeitlich begrenzten Energie-Waffenruhe –, während Gebiete und Sanktionen den Staatschefs vorbehalten bleiben. Ein Treffen von Selenskyj, Trump und Putin ist bislang nur Wunsch. Als mögliche Marken werden der APEC-Gipfel am 18./19. November in China und ein G20-Gipfel am 14./15. Dezember in Miami genannt; bestätigt ist beides nicht.

Quellen: Ukrinform, Radio Swoboda, Armyinform (Telegram-Beitrag Selenskyjs), Berliner Zeitung, Moscow Times

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