Di., 27 Okt. 2026 Kyjiw 07:35Berlin 06:35London 05:35 UKR / DE / EN

Feuerpause in Oleschky: Hilfsaktion für Frontstadt beginnt

Seit 3 Uhr Ortszeit schweigen in der von Russland besetzten Stadt Oleschky die Waffen. Lebensmittel und Medikamente sollen die rund 2.000 verbliebenen Bewohner erreichen.

Feuerpause in Oleschky: Hilfsaktion für Frontstadt beginnt
Archivfoto: Dmytro Petishkin / Wikimedia Commons, CC BY 4.0

Seit 3 Uhr Ortszeit schweigen in der von Russland besetzten Stadt Oleschky die Waffen. Lebensmittel und Medikamente sollen die rund 2.000 verbliebenen Bewohner erreichen.

In der von Russland besetzten Frontstadt Oleschky im Gebiet Cherson gilt seit 3 Uhr Ortszeit eine Feuerpause, um eine Hilfsaktion für die abgeriegelte Ortschaft zu ermöglichen. Das bestätigte die russische Seite in der Nacht, wie der Tagesspiegel unter Berufung auf den dpa-Newskanal und zdfheute.de berichten. Auch der Generalstab in Kyjiw hatte die Vereinbarung zuvor bestätigt. Am Dienstag, 27. Oktober, soll die humanitäre Operation nun anlaufen.

Während der mehrtägigen Waffenruhe sollen Lebensmittel und Medikamente zu den notleidenden Bewohnern gebracht werden. Zugleich soll ein humanitärer Korridor geschaffen werden, damit die Menschen die Region verlassen können – nach Angaben des Tagesspiegels entweder in Richtung Russland oder in die von Kyjiw kontrollierten Gebiete.

Ein Korridor durch ein Minenfeld

Die Stadt liegt direkt an der Frontlinie und ist nach übereinstimmenden Berichten vollständig vermint. Weil ein sicherer Weg fehlte, setzten die ukrainischen Streitkräfte zeitweise Drohnen ein, um Hilfsgüter einzufliegen. Viele der unbemannten Fluggeräte wurden laut Tagesspiegel und zdfheute.de von russischen Truppen abgeschossen. Nach der Vereinbarung sollen nun Minen geräumt werden, um den Hilfskorridor passierbar zu machen. Der russische Armeechef Waleri Gerassimow erklärte nach Angaben der Deutschen Welle, für die Lieferung der Güter würden Pionieraufklärung und der sichere Transport der humanitären Kolonne organisiert.

Wie viele Menschen noch in Oleschky ausharren, ist nur geschätzt: Der Tagesspiegel nennt 1.500 bis 2.000 Bewohner, darunter Dutzende Kinder; zdfheute.de spricht von rund 2.000 verbliebenen Einwohnern. Vor dem russischen Angriffskrieg lebten in der Stadt am Ufer des Dnjepr etwa 24.000 Menschen. Rechnet man die umliegenden Dörfer hinzu, sollen bis zu 6.000 Menschen Not leiden, berichtet der Tagesspiegel. Nach der Zerstörung des Kachowka-Staudamms im Jahr 2023 wurden nach Angaben der Deutschen Welle rund 90 Prozent des Stadtgebiets überflutet; heute fehlt es an Nahrung, Strom und Wasser.

Registrierung bis zum 28. Oktober

Ein Kontrollmechanismus soll sicherstellen, dass die Feuerpause hält. Nach Angaben des ZDF-Korrespondenten Dara Hassanzadeh aus Odessa müssen sich alle Einwohner bis zum 28. Oktober am örtlichen Krankenhaus registrieren lassen – unabhängig davon, ob sie bleiben oder in die von Kyjiw kontrollierten Gebiete übersiedeln wollen. Bei jeder weiteren Evakuierungsstufe könne man diese Liste mit den tatsächlich Anwesenden abgleichen. Ob die rund 2.000 verbliebenen Bewohner die Stadt überhaupt verlassen dürfen, ist laut zdfheute.de unklar. Die Evakuierung soll erst in den kommenden Tagen beginnen, schreibt der Tagesspiegel.

„Wir rufen alle dazu auf, in diesem Zeitraum besonders umsichtig mit den Informationen umzugehen, die Sie erhalten und weitergeben“, teilte der Generalstab laut Tagesspiegel auf Telegram mit. „Vertrauen Sie keinen unbestätigten Meldungen, und verbreiten Sie keine Gerüchte über Routen, Zeiten und Orte, an denen sich Menschen und humanitäre Konvois bewegen.“

Der Generalstab betonte, die Feuerpause gelte ausschließlich für die humanitäre Operation. An anderen Frontabschnitten gingen die Kämpfe weiter, berichtet der Tagesspiegel.

Vermittlung aus Washington, Skepsis vor Ort

Die humanitäre Feuerpause geht auf eine Initiative des Weißen Hauses zurück. Nach Darstellung der Regierung von US-Präsident Donald Trump vermittelte First Lady Melania Trump die lokale Waffenruhe zwischen Moskau und Kyjiw. Auch Papst Leo XIV. hatte in einem Telefonat mit Kremlchef Wladimir Putin um Hilfe für Oleschky gebeten, schreibt der Tagesspiegel. Laut Kreml könnte eine erfolgreiche humanitäre Operation in Oleschky als Vorbild für andere Frontabschnitte dienen.

Vor Ort ist die Skepsis groß. Die Bewohner der Region hätten Besatzung, Kriegsverbrechen und vor allem gebrochene Versprechen erlebt, berichtet ZDF-Korrespondent Hassanzadeh aus Odessa. Der Generalstab in Kyjiw setze dagegen auf den vereinbarten Kontrollmechanismus. Bereits im Laufe des Jahres hatten frühere Einwohner der Nachrichtenagentur AFP gesagt, die in der Stadt Verbliebenen hungerten, es fehle an Medikamenten, und sie könnten Oleschky nicht ohne Weiteres verlassen. Moskau und Kyjiw hatten sich in den vergangenen Monaten immer wieder gegenseitig beschuldigt, durch Beschuss der Stadt eine humanitäre Katastrophe ausgelöst zu haben.

Anmerkung der Redaktion: Ob die Feuerpause über die Dauer der Hilfsaktion hinaus hält und wie viele Menschen tatsächlich evakuiert werden können, lässt sich derzeit nicht abschätzen. Entscheidend dürfte sein, ob der Kontrollmechanismus und die Minenräumung wie vereinbart funktionieren.

Quellen

EuroPulse auf Telegram: die wichtigsten Nachrichten kurz und auf Ukrainisch →