Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan haben am Samstag in Istanbul über die Vorbereitung eines Dreiertreffens zwischen der Ukraine, den USA und Russland in der ersten Novemberhälfte beraten. Wie die Kyiv Post berichtet, ging es bei dem Gespräch auch darum, die Türkei und europäische Partner in den diplomatischen Prozess einzubinden und Istanbul als möglichen Gastgeber zu prüfen.
„Wir bereiten uns derzeit auf ein trilaterales Format vor – Ukraine, Vereinigte Staaten, Russland – in der ersten Novemberhälfte“, sagte Selenskyj nach Angaben von Ukrinform bei einem Medienbriefing in Istanbul. Man habe über die Aussichten eines solchen Formats und andere Möglichkeiten gesprochen, „insbesondere die Einbindung der Türkei, die Einbindung Europas, die Einbindung aller Partner und die Möglichkeit, sich hier in der Türkei zu treffen“. Nötig seien „starke Entscheidungen“, um Frieden zu erreichen; Russland müsse auf allen Ebenen das Signal erhalten, dass es keine Alternative zum Frieden gebe und die Unterstützung für die Ukraine fortgesetzt werde.
Erdogan sagte laut Kyiv Post, bei den Gesprächen seien die jüngsten aktiven Bemühungen um Frieden in der Ukraine und die Sicherheitslage im Schwarzen Meer ausführlich erörtert worden. „Mit großer Genugtuung stellen wir fest, dass die Initiative, den Krieg auf diplomatischem Weg zu beenden, erneut an Schwung gewonnen hat.“ Ein verbindliches Abkommen über die Sicherheit der Schifffahrt im Schwarzen Meer könne ein wichtiger Katalysator für einen umfassenden und dauerhaften Frieden sein.
Der türkische Präsident verurteilte zudem Angriffe auf zivile Schiffe. „Es ist offensichtlich, dass Angriffe auf zivile Schiffe und Handlungen, die die Spannungen im Schwarzen Meer weiter verschärfen, niemandem nützen“, sagte Erdogan. „Unter keinen Umständen können wir diese Angriffe akzeptieren – unabhängig davon, wer sie ausführt und mit welchen Motiven sie gerechtfertigt werden.
Selenskyj verwies laut Kyiv Post auf die Folgen der russischen Aggression seit 2014 für die Lage im Schwarzen Meer. „Russland hat durch seine Aggression seit 2014 die Situation im Schwarzen Meer Schritt für Schritt schwierig und schlechter gemacht“, sagte er. Die Türkei unterstütze die Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine sowie Schritte zum Schutz der sicheren Schifffahrt. Beide Präsidenten sprachen dem Bericht zufolge auch über den ununterbrochenen Betrieb der ukrainischen Agrarexportkorridore und die wirtschaftliche Zusammenarbeit.
Dem Treffen vorausgegangen war laut Kyiv Post ein Telefonat Erdogans mit US-Präsident Donald Trump am 28. Oktober, in dem der Türke seine Bereitschaft bekundet habe, formelle Gespräche zwischen der Ukraine und Russland wiederzubeleben. Als mögliche Gastgeber für Arbeitstreffen gelten dem Bericht zufolge Abu Dhabi, die Schweiz und die Türkei. Selenskyj hatte zuvor erklärt, Kyjiw hoffe auf Gespräche zwischen dem 6. und 10. November; der außenpolitische Berater des Kremls, Juri Uschakow, habe erklärt, Moskau sei nach dem Feiertag der Nationalen Einheit am 4. November bereit, trilaterale Gespräche wieder aufzunehmen.



