Russische Drohnen haben nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am Freitagabend ein Heizkraftwerk in Kyjiw und in den Morgenstunden des Samstags Anlagen in Schostka in der Region Sumy angegriffen. Das erklärte Selenskyj nach Angaben von Radio Swoboda in seinem Telegram-Kanal.
Allein in der Nacht seien in der Region Dnipropetrowsk vier Umspannwerke sowie ein Objekt der Gasverteilung attackiert worden, schrieb Selenskyj am Samstag, 31. Oktober. Nach den Angriffen seien in Dnipro und der Region Haushalte ohne Elektrizität. Nach Angaben von n-tv waren in beiden Regionen zusammen rund 280.000 Haushalte betroffen; die Angabe beruht auf einer Mitteilung von Präsident Selenskyj.
Der Energieversorger DTEK teilte laut Radio Swoboda mit, russische Kräfte hätten am Freitag „schmerzhafte Schläge“ gegen die Energiewirtschaft im ganzen Land geführt, auch in Kyjiw. Diese Angriffe hätten sich mit Schäden aus früheren Beschüssen überlagert, „deshalb ist die Situation im Energiesystem noch schwieriger geworden“. Wegen der Folgen seien die Stromabschaltungen verstärkt worden, die Techniker reparierten die beschädigten Anlagen fortlaufend.
Wasserversorgung nach Treffern in Kyjiw gestört
Am Abend des 30. Oktober meldete Kyjiws Bürgermeister Witali Klitschko laut Radio Swoboda „drei Treffer von Drohnen in ein Objekt der kritischen Infrastruktur der Hauptstadt“. Danach kam es in der Stadt zu Problemen mit der Wasserversorgung.
Selenskyj zufolge greift Russland die ukrainische Energiewirtschaft täglich an. Allein in den letzten zwei Wochen des Oktobers habe es mehr als 30 russische Schläge gegen sehr wichtige Teile des Energienetzes gegeben. Die Kampagne gegen die Energieinfrastruktur hatte nach Angaben von Radio Swoboda Ende September 2026 begonnen, unmittelbar vor der Heizsaison.
Die Berliner Zeitung berichtete am Freitag, 30. Oktober, über die Folgen der Angriffe in Dnipro. Dort waren nach mehreren Attacken zeitweise mehr als 350.000 Stromanschlüsse in der Stadt und den umliegenden Gemeinden ohne Versorgung, wie der Chef der Regionalverwaltung, Oleksandr Hanscha, mitteilte. Das beschädigte Netz brach am Freitagmorgen nach ersten Reparaturen erneut zusammen, der öffentliche Nahverkehr kam weitgehend zum Erliegen. Auch der Bahnhof von Dnipro wurde in der Nacht erneut angegriffen, wie der Chef der Staatsbahn Ukrsalisnyzja, Oleksandr Perzowskyj, mitteilte.
Die Zahl der Todesopfer nach dem Drohnenangriff auf einen Bahnsteig in Dnipro am Donnerstag stieg nach Angaben der Berliner Zeitung auf 15. Am Freitag erlag ein 40 Jahre alter Mann im Krankenhaus seinen Verletzungen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Regionalverwaltungschef Hanscha. Elf Verletzte wurden weiter in Krankenhäusern behandelt, sechs von ihnen befanden sich in schwerem Zustand, darunter ein elfjähriger Junge.
UN-Kommission wirft Russland Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor
Die Unabhängige Internationale Kommission der Vereinten Nationen zur Untersuchung der Verbrechen im russischen Krieg gegen die Ukraine wirft Russland laut Radio Swoboda Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Zusammenhang mit den Angriffen auf Energieanlagen vor. Die Kommission betont, mit dem nahenden Winter beeinträchtigten die russischen Schläge die körperliche und psychische Gesundheit der Zivilbevölkerung sowie den Betrieb von Krankenhäusern erheblich. Im Winter 2025/2026 hätten die Menschen in der Ukraine bereits lange Zeit ohne Heizung, Strom und Wasser in strenger Kälte ausharren müssen. Die Kommission kommt zu dem Schluss, die Angriffe seien zielgerichtet und Teil einer „staatlichen Politik, die darauf gerichtet ist, der Zivilbevölkerung wichtige Energieressourcen zu entziehen, um Leid zu verursachen“.
Selenskyj forderte in seinem Telegram-Beitrag weitere Sanktionen und neue Unterstützungspakete für die Ukraine. „Die Welt sieht, wie Russland täglich zivile Infrastruktur ins Visier nimmt. Und alle, die nicht sehen wollen, wie diese russische Eskalation weiter in Europa gehen kann, müssen der Ukraine helfen“, schrieb er laut Radio Swoboda.
Anmerkung der Redaktion: Wie schwer die Schäden an den einzelnen Anlagen sind und wie lange die Abschaltungen dauern, geht aus den vorliegenden Quellen nicht hervor.



