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Ukraine beruft UN-Sicherheitsrat nach Angriffen ein

Nach den russischen Angriffen auf Dnipro, Tschernihiw und Krementschuk mit 20 Toten hat die Ukraine eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats angekündigt. In Dnipro fiel am Freitagmorgen erneut der Strom aus.

Ukraine beruft UN-Sicherheitsrat nach Angriffen ein
Archivfoto: Jdforrester / Wikimedia Commons, CC BY 4.0

Nach den russischen Angriffen auf Dnipro, Tschernihiw und Krementschuk mit 20 Toten hat die Ukraine eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats angekündigt. In Dnipro fiel am Freitagmorgen erneut der Strom aus.

Die Ukraine hat nach den jüngsten russischen Angriffen auf Dnipro, Tschernihiw und Krementschuk eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats einberufen. Das teilte die ukrainische Vertretung nach Angaben der Nachrichtenagentur Ukrinform am Freitag, 30. Oktober, über den Kurznachrichtendienst X mit. Bei den Angriffen seien „20 Ukrainer getötet und Dutzende weitere verletzt“ worden, hieß es in der Erklärung.

Am schwersten traf es die Großstadt Dnipro. Dort schlug am Donnerstag gegen 11 Uhr nach Angaben der ukrainischen Polizei eine Drohne mit Strahlantrieb auf einem Bahnsteig des Hauptbahnhofs ein, auf dem der Zug Nr. 866 nach Saporischschja zur Abfahrt bereitstand. Zunächst meldeten die Behörden 13 Tote, später 14. Am Freitag erlag ein 40 Jahre alter Mann im Krankenhaus seinen Verletzungen, womit die Zahl der Todesopfer auf 15 stieg, wie die Berliner Zeitung unter Berufung auf den Chef der Regionalverwaltung, Oleksandr Hanscha, berichtet. Elf Verletzte wurden demnach weiter in Krankenhäusern behandelt, sechs von ihnen befanden sich in schwerem Zustand, darunter ein elfjähriger Junge.

350.000 Anschlüsse ohne Strom – und am Morgen fiel das Netz erneut aus

Neben dem Bahnhof wurde die Energieinfrastruktur der Region schwer beschädigt. Nach Angaben von Regionalverwaltungschef Hanscha verloren infolge der Angriffe am Donnerstagabend mehr als 350.000 Stromkunden in Dnipro und umliegenden Gemeinden vorübergehend ihre Versorgung. Reparaturteams arbeiteten während der Nacht, ein Teil der Versorgung wurde wiederhergestellt. Am Freitagmorgen brach das beschädigte Netz jedoch erneut großflächig zusammen. Es habe der Belastung nicht standgehalten, erklärte Hanscha. Der Energieversorger DTEK führte auf Anweisung des staatlichen Netzbetreibers Ukrenergo Notabschaltungen ein.

Die Folgen waren im gesamten Stadtgebiet zu spüren: Straßenbahnen, Oberleitungsbusse und die U-Bahn stellten zeitweise den Betrieb ein, später konnten einzelne Metrozüge wieder verkehren. Wasserversorgung und weitere wichtige Einrichtungen wurden teilweise auf Notstromgeneratoren umgestellt. Bürgermeister Borys Filatow rief die Einwohner dazu auf, möglichst zu Hause zu bleiben und ausreichend Lebensmittel und Wasser für mehrere Tage bereitzuhalten, wie die Berliner Zeitung unter Berufung auf die Stadtverwaltung und DTEK berichtet.

Der Bahnhof von Dnipro wurde in der Nacht zum Freitag nach Angaben der ukrainischen Staatsbahn erneut angegriffen. Der Chef von Ukrsalisnyzja, Oleksandr Perzowskyj, berichtete am Freitagmorgen von einer äußerst schwierigen Nacht. Reisende warteten darauf, ihre Fahrt fortsetzen zu können; die Bahn versuche, sie in Sicherheit zu bringen und alternative Verbindungen zu organisieren. Das genaue Ausmaß der neuen Schäden wurde zunächst nicht bekannt.

Zwei 15-jährige Mädchen in Tschernihiw getötet

Bei dem russischen Drohnenangriff auf das Zentrum von Tschernihiw am Donnerstag wurden nach Ukrinform-Angaben zwei 15-jährige Mädchen getötet; 37 Menschen, darunter fünf Kinder, mussten medizinisch versorgt werden. In Krementschuk in der Region Poltawa starben drei Menschen, 28 weitere wurden verletzt, darunter drei Kinder. Der 30. Oktober wurde zum Trauertag für die Todesopfer der Angriffe in Dnipro, Tschernihiw und der Region Poltawa ausgerufen.

Die Angriffe auf Dnipro waren Teil einer größeren russischen Angriffswelle. In der Nacht zum Freitag setzte Russland nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe insgesamt 113 Drohnen, vier gelenkte Luft-Boden-Raketen und eine nicht näher bezifferte Zahl ballistischer Raketen ein, darunter 83 Drohnen mit Strahlantrieb. Die Luftabwehr meldete, 96 Drohnen und drei der vier gelenkten Raketen abgeschossen oder elektronisch abgewehrt zu haben. Einschläge wurden an 17 Orten registriert, herabfallende Trümmer an fünf weiteren. Besonders betroffen waren nach ukrainischen Militärangaben die Regionen Kyjiw, Poltawa und Dnipropetrowsk. Die Angaben lassen sich nicht vollständig unabhängig überprüfen. In der Hauptstadt Kyjiw starb bei einem russischen Raketenangriff ein Mensch, weitere Personen wurden verletzt; nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters wurden unter anderem Lagergebäude und Wohnhäuser beschädigt.

Die Berliner Zeitung ordnet die Angriffe in eine seit Ende September laufende russische Kampagne gegen die ukrainische Energieversorgung ein und beruft sich dabei auf Analysen des amerikanischen Institute for the Study of War (ISW). Mit dem Winter naht eine weitere Belastungsprobe für das ohnehin schwer beschädigte Stromnetz des Landes.

Anmerkung der Redaktion: Die Angaben der ukrainischen Behörden und der Luftwaffe lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Die Zahl von 20 Todesopfern in der Erklärung zur UN-Sitzung bezieht sich auf die drei genannten Orte zusammen; für Dnipro gilt der Stand von 15 Toten am Freitag.

Quellen

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