Das Elterngeld soll nach Plänen von Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) nicht auf zwölf Monate Bezugsdauer gekürzt werden, sondern weiterhin für bis zu 14 Monate gezahlt werden. Das geht aus einem Dokument des Familienministeriums hervor, das dem ARD-Hauptstadtstudio exklusiv vorliegt, wie tagesschau.de am Mittwoch, 28. Oktober, berichtet. Zugleich sollen der Mindest- und der Höchstsatz erstmals seit der Einführung der Leistung im Jahr 2007 steigen – von 300 auf 330 Euro und von 1.800 auf 1.900 Euro, wie das Ministerium laut Welt und Tagesspiegel mitteilte. Ein entsprechender Gesetzentwurf ging in die regierungsinterne Abstimmung; beschlossen ist also noch nichts.
Im Sommer hatte das Ministerium unter harten Sparvorgaben noch einen Entwurf ausgearbeitet, der eine Kürzung der Bezugsdauer von 14 auf zwölf Monate vorsah. Für jeden Elternteil wären darin drei Monate reserviert gewesen, sechs weitere hätten die Partner untereinander aufteilen können. Wäre nur ein Elternteil in Elternzeit gegangen, hätte es maximal neun Monate lang Elterngeld gegeben. Dieser Plan hatte öffentliche Kritik ausgelöst.
Vier Monate für die Mutter, vier für den Vater
Nun soll die Aufteilung anders aussehen: Je vier Monate sind fest für Mutter und Vater reserviert, sechs weitere können sie frei untereinander aufteilen – das sogenannte 4-6-4-Modell. Alleinerziehende sollen weiterhin bis zu 14 Monate Elterngeld erhalten. Beide Eltern dürfen wieder unbegrenzt gleichzeitig Elterngeld beziehen; nach der letzten Reform war das auf einen Monat innerhalb des ersten Lebensjahres des Kindes begrenzt.
Bei der Einkommensersatzrate plant das Ministerium eine Differenzierung: In den reservierten Monaten sollen 80 Prozent des früheren Nettoeinkommens gezahlt werden statt bisher 65 Prozent, in allen weiteren Monaten nur noch 50 Prozent. Bei der Netto-Berechnung sollen künftig außerdem Weihnachtsgeld und andere sonstige Bezüge einbezogen werden, wie Welt berichtet. Der Geschwisterbonus für Familien mit weiteren Kindern im Haushalt soll länger gezahlt werden, der Verwaltungsaufwand sinken, damit das Geld schneller bei den Eltern ankommt.
Prien sagte der Nachrichtenagentur dpa, in der Koalition sei eine gute Lösung gelungen. „Wir haben uns darauf verständigt, das Elterngeld strukturell weiterzuentwickeln und es besser an die heutige Lebensrealität junger Familien anzupassen. So sorgen wir dafür, dass es für junge Menschen in Deutschland auch in Zukunft attraktiv bleibt, eine Familie zu gründen.“ Gegenüber dem ARD-Hauptstadtstudio sagte sie, eine „Rolle rückwärts“ sei das nicht. Überzeugt hätten sie vor allem junge Familien, die ihr gesagt hätten: „Wie sollen wir das hinkriegen mit der Eingewöhnung in der Kita?“ Zur Partnerschaftlichkeit erklärte sie: „Wir wollten auch einen Anreiz geben dafür, dass mehr Väter bereit sind, sich einzubringen.“
Weniger Einsparungen als ursprünglich geplant
Die Reform war auch wegen der Sparvorgaben für alle Häuser entstanden. „Es wird immer noch einen Einspareffekt geben, auch bei diesem Modell“, sagte Prien laut tagesschau.de – „der wird geringer sein als das ursprüngliche Modell“. Für 2027 gebe es keinen Unterschied, da wegen der gesunkenen Geburtenrate auch weniger Elterngeld ausgezahlt werde. Ab 2030 plant sie mit dem neuen Modell Einsparungen von knapp 1,3 Milliarden Euro, weniger als ursprünglich vorgesehen. Das sei so mit dem Bundesfinanzministerium besprochen; alle anderen Fragen des Haushalts würden in den nächsten Wochen beraten.
Der Tagesspiegel weist darauf hin, dass von den höheren Mindest- und Höchstsätzen viele Familien nicht profitieren: Wer zwischen beiden Beträgen liegt, ist auf die Ersatzrate bezogen – und die sinkt in den nicht reservierten Monaten von 65 auf 50 Prozent. Nach Angaben der Bundesregierung wurden 2025 rund sieben Milliarden Euro Elterngeld ausgezahlt, bei 1,6 Millionen Empfängern. 2021 lag die Zahl noch bei mehr als 1,8 Millionen. 2024 erhielten 290.105 Personen den Höchstbetrag und 349.157 den Mindestsatz. Fachleute halten eine Reform für überfällig: Wegen des fehlenden Inflationsausgleichs hat die Leistung seit ihrer Einführung nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft rund 38 Prozent an Kaufkraft verloren. Wann die Reform in Kraft treten soll, ist noch offen.
Anmerkung der Redaktion: Ob das neue Modell den Anspruch einlöst, mehr Väter in die Betreuung zu holen, lässt sich erst nach dem Beschluss und den ersten Bezugsjahren messen. Fest steht bislang nur der Entwurf aus dem Ministerium – die regierungsinterne Abstimmung läuft.



