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Kyjiw vor dem Winter: Selenskyj sucht Manager, Klitschko wehrt sich

Der Präsident will ein „Sonderkabinett“ für die Hauptstadt – drei prominente Kandidaten haben laut Suspilne abgelehnt. Was hinter dem Machtkampf steckt.

Kyjiw vor dem Winter: Selenskyj sucht Manager, Klitschko wehrt sich
Symbolbild: Daniil Kondrashin / Pexels

Der Präsident will ein „Sonderkabinett“ für die Hauptstadt – drei prominente Kandidaten haben laut Suspilne abgelehnt. Was hinter dem Machtkampf steckt.

Selenskyj will Kyjiw vor dem Winter unter stärkere Führung stellen – und sucht dafür Leute, die den Job offenbar nicht haben wollen. Er habe Regierungschef Serhij Korezkyj gebeten, ein „spezielles Kabinett für Kyjiw“ aus Wirtschaftsmanagern und „starken Leuten“ zusammenzustellen, sagte der Präsident am 26. und 27. Oktober vor Journalisten. Er sei bereit, jeden Kandidaten „persönlich anzusprechen“.

Als Beispiel nannte Selenskyj Charkiw: Dort arbeiteten Stadt und Gebiet trotz ständiger Angriffe zusammen. Bürgermeister Witalij Klitschko habe er persönlich nichts vorzuwerfen, die Resilienzpläne der Hauptstadt seien aber nicht vollständig umgesetzt, kritische Infrastruktur sei nicht ausreichend geschützt. Klitschko solle sich selbst erfahrene Manager suchen.

Wer abgewinkt hat

Genannt wurden der frühere Infrastrukturminister Oleksandr Kubrakow, Ex-Premier Wolodymyr Hrojsman und der frühere SBU-Chef Wassyl Maljuk, der sich um Sicherheitsfragen kümmern könnte. Nach Angaben von Suspilne, die ZN.ua zitiert, wurden Hrojsman, Kubrakow und der frühere Chef der Wiederaufbaubehörde Serhij Suchomlyn auch für die Leitung der Kyjiwer Stadtverwaltung erwogen – alle drei lehnten ab. Bestätigte Ernennungen gibt es bislang nicht. Selenskyj begründete die Zurückhaltung so: Niemand werde den Betroffenen danken, andere würden weiter Politik diskutieren.

Der Streit ist nicht neu. Am 13. Oktober hatte Selenskyj erklärt, die Umsetzung der Notfallpläne sei fast überall weiter als in Kyjiw, selbst in Grenz- und Frontregionen. Klitschko nannte die Vorwürfe unbegründet und warf dem Präsidialamt auf Telegram vor, die kommunale Selbstverwaltung aushöhlen und ihn aus dem Amt drängen zu wollen. Am 17. Oktober forderten mehrere hundert Demonstranten vor der Stadtverwaltung seinen Rücktritt („Wo sind die Schutzräume?“); Klitschko hält die Proteste für inszeniert.

Was die Zahlen zeigen

Hinter dem Machtkampf steht ein handfestes Problem. Laut Finanzministerium waren von mehr als 2,3 Milliarden US-Dollar, die Kyjiw 2026 für die Winterfestigkeit zugewiesen wurden, zum 1. September erst 51,1 Prozent ausgegeben, berichtet die Kyiv Independent. Klitschko hatte im September 40 bis 50 mobile Schutzräume binnen eines Monats angekündigt; der erste tauchte am 15. Oktober auf. Der Analyst Oleksandr Serhijenko beziffert laut ZN.ua den vom Sicherheitsrat vorgegebenen Finanzbedarf des Stabilitätsplans auf 67,5 Milliarden Hrywnja bei einem Stadthaushalt von 106 Milliarden; die Stadt habe 20,4 Milliarden angeboten. 500 Millionen Hrywnja für Schutzräume seien von den Bezirksverwaltungen nicht abgerufen worden. Klitschko wiederum verweist auf die Luftverteidigung und den Schutz der Ukrenergo-Anlagen, die Sache des Staates seien, und sagt, das Stromnetz sei in diesem Jahr fast 50 Mal getroffen worden.

Rechtlich bleibt die Lage verzwickt: Klitschko ist gewählt und kann nur zurücktreten; der Präsident kann ihm aber die Leitung der Stadtverwaltung entziehen und stützt sich auf die Militärverwaltung unter Andrij Tkatschow. Die Kyiv Independent hält eine Absetzung für unwahrscheinlich.

Unsere Einschätzung: Ein „Sonderkabinett“ ohne Rechtsstatus kann Entscheidungen beschleunigen, aber keine Zuständigkeiten ersetzen – ohne klare Aufgabenteilung zwischen Stadt, Militärverwaltung und Regierung droht ein weiterer Reibungspunkt. Entscheidend wird, ob bis zu den ersten Frösten Schutzräume, Wärme- und Wasserversorgung messbar vorankommen. Für Ukrainer in Deutschland mit Angehörigen in Kyjiw ist das keine Randfrage: Klitschko hatte schon Anfang Oktober geraten, die Stadt notfalls vorübergehend zu verlassen. Das Stromnetz bleibt Ziel russischer Angriffe, wie zuletzt am 27. Oktober (Zuvor berichtet).

Quellen: Radio Swoboda, Kyiv Post, Kyiv Independent, ORF, ZN.ua

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