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Kyjiw: Mindestens ein Toter, 14 Verletzte nach Raketenangriffen

Bei den russischen Raketenangriffen auf Kyjiw in der Nacht zu Dienstag ist mindestens ein Mensch getötet und 14 weitere verletzt worden, neun von ihnen mussten ins Krankenhaus. Getroffen wurden ein Studentenwohnheim, eine Klinik, mehrere Metrostationen und die Südbrücke.

Kyjiw: Mindestens ein Toter, 14 Verletzte nach Raketenangriffen
Grafik: EuroPulse

Bei den russischen Raketenangriffen auf Kyjiw in der Nacht zu Dienstag ist mindestens ein Mensch getötet und 14 weitere verletzt worden, neun von ihnen mussten ins Krankenhaus. Getroffen wurden ein Studentenwohnheim, eine Klinik, mehrere Metrostationen und die Südbrücke.

Bei den russischen Raketenangriffen auf Kyjiw in der Nacht zu Dienstag ist nach Angaben der Stadt mindestens ein Mensch getötet und 14 weitere verletzt worden, neun von ihnen mussten ins Krankenhaus, drei schweben in Lebensgefahr. Das teilte Bürgermeister Witalij Klitschko am Dienstag, 27. Oktober, mit. „Die meisten der Verletzten sind Studenten aus dem Wohnheim einer der Universitäten“, sagte Klitschko laut BBC News Ukraine. Unter den Trümmern könnten noch Menschen liegen, sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj am Abend zuvor.

Der Angriff traf nach Angaben der Behörden zivile Ziele in mehreren Stadtteilen: ein Wohnheim und einen Gebäudekomplex der Staatlichen Universität für Handel und Wirtschaft (DTEU) im Bezirk Desnjanskyj, eine Klinik im Bezirk Dniprowskyj, in der die Druckwelle die Fenster der Intensivstation zerstörte, sowie die Metrostationen „Lisowa“, „Darnyzja“ und „Tschernihiwska“. Auch ein Rettungsteam des Krankenwagens wurde auf der Fahrt zu einem Einsatz beschossen. Die Südbrücke über den Dnipro wurde so schwer beschädigt, dass der Verkehr für Autos und Bahnen in beide Richtungen vorläufig eingestellt ist.

Zwei Wellen, 16 ballistische Raketen

Der Angriff begann laut dem Luftwaffenkommando der Streitkräfte der Ukraine am Abend des 26. Oktober gegen 18 Uhr und lief in zwei Wellen. Die erste Welle traf am Abend die linksufrigen Bezirke, die zweite nach 3 Uhr nachts die Südbrücke und ein Verwaltungsgebäude im Bezirk Podilskyj. Nach Angaben der Luftwaffe setzte Russland 16 ballistische Raketen vom Typ Iskander-M/S-400 aus der Region Brjansk sowie 280 Kampfdrohnen vom Typ Shahed, „Herbera“ und Attrappen-Drohnen ein. Bis 9 Uhr morgens seien zwei Raketen und 255 Drohnen abgeschossen oder unterdrückt worden, hieß es. Einschläge wurden an 25 Orten registriert, Trümmer fielen an 16 weiteren Stellen herab. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich laut Luftwaffe noch mehrere Drohnen im ukrainischen Luftraum.

Selenskyj sprach von einer „ernsten Eskalation in der russischen Operation gegen unsere Logistik“. Die russische Ballistik habe „sehr belebte Orte“ getroffen, „und es gibt dort kein einziges militärisches Objekt“, sagte er. Nach seinen Angaben wurden in der Nacht auch die Regionen Kyjiw, Winnyzja, Saporischschja, Dnipropetrowsk, Charkiw, Odessa, Tschernihiw, Sumy, Donezk, Cherson und Tscherniwzi angegriffen, Ziele seien fast überall Energieanlagen, Logistik und städtische Infrastruktur gewesen.

Was die Südbrücke bedeutet

Die Südbrücke ist eine der sieben Brücken über den Dnipro, die den Ost- und den Westteil der Dreimillionenstadt für Metro, Eisenbahn und Straßenverkehr verbinden. Sie war bereits mehrfach Ziel russischer Angriffe. Klitschko veröffentlichte Fotos, die zerstörte Leitplanken und beschädigte Gleisanlagen der Metro zeigen. Fachleute prüfen das Ausmaß der Schäden. Der Metrotunnel zwischen den Stationen „Darnyzja“ und „Tschernihiwska“ sowie die Ausgänge der Station „Lisowa“ sind beschädigt; auf der grünen Linie ruht der Verkehr zwischen „Ossokorky“ und „Tscherwonyj Chutir“. Die Mitarbeiter der Metro arbeiteten die ganze Nacht, um den Betrieb auf der roten Linie aufrechtzuerhalten, hieß es. Für Fahrgäste wurden zusätzliche Buslinien eingerichtet. In der Stadt kam es zu Notabschaltungen beim Strom.

In der Region Tschernihiw meldete der Leiter der Gebietsverwaltung, Wjatscheslaw Tschaus, Angriffe auf das Dorf Cholmy der Gemeinde Cholmy, wo Wohnhäuser und Wirtschaftsgebäude in Brand gerieten und zwei Menschen verletzt wurden, sowie auf die Grenzstadt Semeniwka, wo ein Kulturhaus und ein Wohnhaus Feuer fingen und ebenfalls zwei Menschen verletzt wurden. Am Morgen traf eine Drohne ein Wohnhaus im Dorf der Gemeinde Mena. Im Charkiwer Bezirk Nowobawarskyj schlugen nach Angaben des staatlichen Katastrophenschutzes DSNS Salvenraketen ein; zwei Brände brachen aus, beschädigt wurden Garagen, private und mehrstöckige Wohnhäuser, eine Kindertagesstätte, Fahrzeuge und Gebäude privater Unternehmen.

Selenskyj kritisierte erneut Verzögerungen bei der Lieferung von Flugabwehrraketen. Die Ukraine habe einen akuten Mangel an Abfangraketen für Patriot-Systeme, die als einzige ballistische Raketen abschießen könnten. Er habe die USA mehrfach aufgefordert, bereits zugesagte und bezahlte Patriot-Raketen zu liefern.

Einschätzung der Redaktion: Der Angriff zeigt, wie verwundbar Kyjiws Verkehrs- und Versorgungsadern sind – die Südbrücke ist zum wiederholten Mal getroffen, die Metro musste ihren Betrieb auf mehreren Linien einschränken. Für die Menschen in der Stadt bedeutet das längere Wege zur Arbeit und zur Schule, für die Behörden eine weitere Baustelle neben der Reparatur von Wohnhäusern und Kliniken. Ob die zugesagten Patriot-Lieferungen schneller kommen, ist offen; die Quellen nennen dazu keinen Termin.

Zuvor berichtet: Kyjiw: Südbrücke nach Raketenangriff gesperrt, Metro eingeschränkt

Quellen

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