Di., 27 Okt. 2026 Kyjiw 12:34Berlin 11:34London 10:34 UKR / DE / EN

Weltkriegsbombe bei Müssen legt Bahnstrecke Hamburg–Berlin lahm

Bei Bauarbeiten am Bahnhof Müssen in Schleswig-Holstein ist am Dienstagmorgen ein mutmaßlicher Sprengkopf gefunden worden. Die Strecke zwischen Hamburg und Berlin ist gesperrt, Anwohner müssen ihre Häuser verlassen.

Weltkriegsbombe bei Müssen legt Bahnstrecke Hamburg–Berlin lahm
Grafik: EuroPulse

Bei Bauarbeiten am Bahnhof Müssen in Schleswig-Holstein ist am Dienstagmorgen ein mutmaßlicher Sprengkopf gefunden worden. Die Strecke zwischen Hamburg und Berlin ist gesperrt, Anwohner müssen ihre Häuser verlassen.

Wegen eines Bombenfunds am Bahnhof Müssen in Schleswig-Holstein ist die Bahnstrecke zwischen Hamburg und Berlin am Dienstagmorgen vollständig gesperrt worden. Wie die Polizei mitteilte, wurde der verdächtige Gegenstand gegen 8.40 Uhr bei Bauarbeiten in dem 1.200-Einwohner-Ort im Kreis Herzogtum Lauenburg östlich von Hamburg entdeckt. Nach derzeitigem Erkenntnisstand könnte es sich um einen Sprengkopf handeln.

Die Sperrung trifft Fern- und Regionalverkehr. Nach Angaben einer Bahnsprecherin gegenüber der Hamburger Morgenpost ist die Strecke seit etwa 9 Uhr zwischen Schwarzenbek und Büchen in beide Richtungen dicht. Der Fernverkehr werde weiträumig umgeleitet, teilte eine Bahnsprecherin der Deutschen Presse-Agentur mit, es komme zu Teilausfällen. Die Berliner Zeitung berichtet, auf der Strecke Berlin–Hamburg führen derzeit keine ICE-Züge. Betroffen sind laut t-online auch die Verbindungen in Richtung Rostock.

Umleitung über Hannover, Ersatzverkehr mit Bussen

Die Bahn empfiehlt Reisenden zwischen Hamburg und Berlin, auf Verbindungen mit Umstieg in Hannover auszuweichen. Nach Angaben von t-online werden die Fernzüge auf der Verbindung Berlin–Hamburg–Amsterdam zwischen Berlin und Osnabrück über Hannover umgeleitet; die Halte Hamburg-Bergedorf und Hamburg-Harburg fallen weg, stattdessen stoppen die Züge in Hannover. Die Berliner Zeitung nennt als betroffene Halte Berlin Hauptbahnhof, Berlin-Spandau, Hamburg Hauptbahnhof, Hagenow Land, Holthusen und Schwerin Hauptbahnhof. Reisende zwischen Berlin und Ludwigslust können demnach den Regionalverkehr nutzen.

Im Regionalverkehr ist vor allem die Linie RE1 zwischen Hamburg und Rostock betroffen. Für sie hat die Deutsche Bahn nach Angaben der Bild einen Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Auf der Linie zwischen Hamburg und Schwerin kommt es laut t-online zu Verspätungen, Umleitungen und Zugausfällen, einzelne Fahrten in Richtung Rostock Hauptbahnhof entfallen. Fahrgäste sollten ihre konkrete Verbindung vor Reiseantritt im DB Navigator oder auf bahn.de prüfen.

Evakuierung läuft, Notunterkunft in der Sporthalle

Die Bewohner der Bahnhofstraße und der Bergstraße in Müssen müssen ihre Häuser und Wohnungen vor der geplanten Entschärfung verlassen. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe teilte nach Angaben der Süddeutschen Zeitung mit, betroffen seien die Anwohner von zwei Straßenzügen. Die Hamburger Morgenpost berichtet unter Berufung auf die Polizei, Anwohner im Umkreis von rund 200 Metern um den Fundort seien aufgefordert worden, ihre Wohnungen zu verlassen. In der Sporthalle von Müssen wurde eine Notunterkunft eingerichtet; wer sie nicht selbstständig erreichen kann, soll sich an die Einsatzkräfte vor Ort wenden. Wie viele Menschen betroffen sind, ist bislang nicht bekannt.

Sämtliche Bauarbeiten in dem Bereich wurden nach Polizeiangaben umgehend eingestellt. „Aktuell wird auf das Eintreffen des Kampfmittelräumdienstes gewartet“, zitiert die Bild aus der Polizeimitteilung. Wann der mutmaßliche Blindgänger entschärft und die Strecke wieder freigegeben werden kann, ist offen – damit steht auch nicht fest, wie lange die Einschränkungen im Bahnverkehr andauern.

Die Angaben zum Fund sind bislang nicht einheitlich. Während die Bahn auf ihrer Website von der „Entschärfung einer Weltkriegsbombe zwischen Hamburg und Berlin“ sprach, war der Fund nach Informationen eines Reporters von t-online vor Ort zunächst noch nicht eindeutig als Sprengkörper identifiziert. Die Polizei selbst formulierte zurückhaltend, nach derzeitigen Erkenntnissen könnte es sich um einen Sprengkopf handeln.

Einschätzung der Redaktion: Für Pendler und Fernreisende auf der Nord-Süd-Achse ist die Sperrung ein erheblicher Einschnitt, weil die Strecke Hamburg–Berlin zu den meistgenutzten Verbindungen im deutschen Fernverkehr gehört. Solange der Kampfmittelräumdienst nicht vor Ort ist und die Entschärfung nicht abgeschlossen ist, bleibt jede Zeitangabe zur Freigabe Spekulation.

Quellen

EuroPulse auf Telegram: die wichtigsten Nachrichten kurz und auf Ukrainisch →