Das US-Außenministerium hat am Freitag den möglichen Verkauf von 500 Patriot-Raketen des Typs PAC-3 MSE an die Ukraine genehmigt. Das Paket ist rund 2,1 Milliarden Dollar schwer und umfasst auch Ersatzteile sowie Logistik- und Softwareunterstützung für die bereits vorhandenen Patriot-Systeme. Hauptauftragnehmer ist Lockheed Martin.
Zahlen sollen nicht die USA. Nach Angaben des Ministeriums, die Radio Swoboda und die Jewropejska Prawda wiedergeben, stammt das Geld von Kanada, Deutschland und Norwegen aus dem Programm JUMPSTART sowie aus ukrainischen Mitteln, die ihrerseits aus dem EU-Kredit für die Ukraine gespeist werden. Zusätzliches US-Personal in der Ukraine sei nicht nötig, die Einsatzbereitschaft der US-Streitkräfte bleibe unberührt.
Was die Genehmigung nicht verrät
Einen Liefertermin nennt die Mitteilung nicht. Es handelt sich um die Freigabe eines möglichen Verkaufs, nicht um einen unterschriebenen Vertrag mit Zeitplan. Genau dort liegt das Problem: Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte im Oktober, die Ukraine erhalte in diesem Jahr im Schnitt nur etwa zwölf Patriot-Raketen pro Monat, weitere Lieferungen warteten auf die Zustimmung von Verteidigungsminister Pete Hegseth. Nach Angaben des ukrainischen Portals Militarnyi übergaben die USA in den vergangenen 90 Tagen lediglich 24 Abfangraketen. Rechnerisch, und das ist unsere Überschlagsrechnung, würden 500 Raketen bei zwölf pro Monat gut dreieinhalb Jahre dauern.
Der Grund ist knappe Ware. Das Washingtoner Zentrum CSIS schätzte im Juli, dass die US-Bestände an PAC-3 von über 2.300 auf unter 830 Stück geschrumpft sind. Selenskyj sagt, die Ukraine habe bei der Verteilung keine Priorität, der Nahe Osten gehe vor. Außenminister Marco Rubio erklärte die Verzögerungen mit dem Ausgleich zwischen Zusagen an Partner und dem eigenen Schutzbedarf; eine politische Anweisung, der Ukraine zu schaden, gebe es nicht.
Wer kann den Engpass lösen?
Auf lange Sicht die Industrie. Die US-Armee hat laut dem Magazin 19FortyFive einen Vertrag geschlossen, der die Jahresproduktion von etwa 600 auf rund 2.000 PAC-3 MSE bis 2030 steigern soll. Bis dahin ist es eine Verteilungsfrage. Der ukrainische Verteidigungsminister Jewhenij Chmara bat die fünf großen europäischen Partner, darunter Deutschland, zehn Prozent ihrer Bestände an Patriot- und IRIS-T-Abfangraketen abzugeben, im Austausch gegen spätere Lieferungen.
Die EU-Kommission hatte im September 6,1 Milliarden Euro für Rüstungskäufe der Ukraine gebilligt, 3,2 Milliarden davon mit Ausnahmen von den EU-Vergaberegeln, unter anderem für amerikanische PAC-3. Ihr Sprecher Thomas Regnier betonte die Dringlichkeit; ob Brüssel die Verzögerung bereits in Washington angesprochen hat, konnte die Kommission am 28. Oktober nicht sagen.
Unsere Einschätzung: Die Genehmigung ist vor allem ein politisches Signal und eine Bestätigung der Geldgeber, auch Deutschlands. Für den Winter, in dem Russland die Energieversorgung erfahrungsgemäß massiv angreift, ändert sie wenig, solange die Auslieferung nicht beschleunigt wird. Das ist eine Bewertung, keine gesicherte Prognose.
Zuvor berichtet: Ballistische Raketen auf Kyjiw. Stand: 30. Oktober 2026, 22 Uhr.
Quellen: Radio Swoboda, Jewropejska Prawda, Ukrinform, Militarnyi, US Department of State / DSCA


