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Nach „Gen Z regelt“: Hunderte Festnahmen, 45 Polizisten verletzt

Hamburg zählt mehr als 120 Festnahmen, Berlin bis zu 56, Frankfurt über 30. Mindestens 45 Beamte wurden verletzt – wer die Gewalt zu verantworten hat, ist offen.

Nach „Gen Z regelt“: Hunderte Festnahmen, 45 Polizisten verletzt
Grafik: EuroPulse

Hamburg zählt mehr als 120 Festnahmen, Berlin bis zu 56, Frankfurt über 30. Mindestens 45 Beamte wurden verletzt – wer die Gewalt zu verantworten hat, ist offen.

Stand: 1. November, 11 Uhr. Die Bilanz der „Gen Z regelt“-Proteste vom Reformationstag fällt härter aus als gestern Abend absehbar: Allein in Hamburg wurden mehr als 120 Menschen festgenommen oder in Gewahrsam genommen, darunter ein 13-Jähriger. In Berlin waren es bis zu 56, in Frankfurt mehr als 30. Bundesweit wurden nach Medienberichten mindestens 45 Polizistinnen und Polizisten verletzt. Eine amtliche Gesamtzahl und eine Schadenssumme gibt es noch nicht.

Die Zahlen im Einzelnen, soweit Medien sie aus Polizeiangaben zusammentragen: In Hamburg wurden elf Einsatzkräfte verletzt, in der Nähe des Hauptbahnhofs und am Steindamm brannten Barrikaden, im Stadtteil Dulsberg brannten rund zehn Fahrzeuge aus; ein Kind erlitt einen Schock. In Berlin wurden 27 Polizisten leicht verletzt, eine Straßenbahn beschädigt. In Köln gab es mindestens fünf Gewahrsamnahmen und mehr als 700 Identitätsfeststellungen, ein Polizist und ein Passant wurden verletzt. Aus Stuttgart, Bremen und Hannover werden Container- und Pyrotechnikschäden gemeldet.

Am stärksten betroffen war Frankfurt. Nach Angaben des hessischen Innenministers Roman Poseck (CDU) kamen etwa 8.000 Menschen, die meisten friedlich. Gegen 18 Uhr flogen Flaschen und Böller auf Polizisten, die Versammlung an der Bleichstraße wurde aufgelöst; wenig später erklärte der Veranstalter „Generation Aufbruch“ die Demo für beendet und distanzierte sich von „Gen-Z Deutschland“. Danach zogen gewaltbereite Gruppen durch die Innenstadt, die Polizei setzte Wasserwerfer und Spezialfahrzeuge ein. Auf der Zeil wurden ein Schuhgeschäft und eine Parfümerie geplündert, ein Waffengeschäft aufgebrochen; zwei gestohlene Waffen stellte die Polizei später sicher. Mehr als 1.000 Beamte riegelten die City ab, mehrere wurden verletzt, einer möglicherweise schwer.

Wer verantwortet die Gewalt?

Poseck sprach von einer schädlichen Verbindung zwischen linksextremen Tätern und gewaltbereiten Jugendlichen und schätzte die Zahl der Gewalttäter auf rund 100; am Abend hatte er zunächst von etwa 60 Angreifern gesprochen. Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) sagte, wer sich so verhalte, stelle sich außerhalb der Gesellschaft; er sei „schockiert“. Ein Sprecher von „Gen Z regelt“ erklärte gegenüber der dpa, man habe keinen Einfluss auf das gehabt, was nach dem Ende der Kundgebungen geschah; Gewalt sei nie Teil der Bewegung gewesen. Die Bundesschülerkonferenz kritisierte mangelnde Transparenz der Organisatoren, Jens Mohrherr von der GdP Hessen warf ihnen vor, sich nicht deutlich genug distanziert zu haben. Kölns Polizeipräsident Johannes Hermanns verwies darauf, dass die Beschlagnahme von Brandsätzen Szenen wie in Paris oder Mailand verhindert habe.

Vorab hatten Sicherheitspolitiker vor einer Unterwanderung gewarnt: Marc Henrichmann (CDU) sprach von international vernetzten linksextremen Strukturen, Alexander Throm (CDU) vom „Kapern“ der Demos. Die Initiative selbst wollte Geld für Schulen, Psychotherapie und Suchthilfe, bezahlbares Leben und ein Nein zu Wehrpflicht und mehr Überwachung. Am Abend sprach sie von mehr als 100.000 Teilnehmern bundesweit; die Polizei nannte zunächst keine Gesamtzahl.

Unsere Einschätzung: Die Debatte dürfte sich in den nächsten Tagen von den Forderungen zur Frage der Gewalt verschieben. Das liegt auch daran, dass sich die Täter in Frankfurt und Hamburg offenbar erst nach Ende der Kundgebungen formierten und das Organisationsbündnis gespalten wirkt. Ob die Proteste als Bewegung weitermachen, hängt davon ab, ob sich die Initiatoren klar abgrenzen und weitere Termine ohne Eskalation gelingen. Das ist eine Prognose, keine Gewissheit; belastbare Zahlen zu Schäden und Strafverfahren stehen aus.

Zuvor berichtet: Gen Z regelt: Tausende auf der Straße, Frankfurt löst Demo auf

Quellen: hessenschau, ZDFheute, Handelsblatt, dpa/Hersfelder Zeitung

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