Vor der Kreideküste Rügens suchte Schneider in etwa sechs Metern Tiefe nach verlorenen Fischernetzen. Diese Geisternetze, die bei Stürmen verloren gingen oder früher absichtlich entsorgt wurden, sind eine tödliche Gefahr für Meerestiere und tragen zur Plastikverschmutzung bei. Der Minister, der vor Jahren im Urlaub einen Tauchschein machte, war zum ersten Mal in der Ostsee unter Wasser.
Das Wasser war grünlich-trübe, die Steine mit braunen Algen überwuchert. Außer einer toten Schwarzmundgrundel sah Schneider keine Fische – und das im Nationalpark Jasmund, einem streng geschützten Gebiet. Aktivitäten wie Schiffsverkehr, Sandabbau und Windenergieausbau setzen der Ostsee zu, hinzu kommen Klimaerwärmung und Nährstoffe aus der Landwirtschaft.
Gernot Haffner, Leiter des Nationalparkamtes Vorpommern, erklärte, das Hauptproblem sei die Landwirtschaft: Nährstoffe aus Düngemitteln gelangen über Bäche und Flüsse ins Meer, fördern übermäßiges Algenwachstum und zehren den Sauerstoff auf. Für das Düngerecht ist Landwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) zuständig, dessen Novelle seit Monaten im Bundestag berät. Schneider kündigte ein Modellprojekt „Meeresfreundliche Landwirtschaft“ an, um Nährstoffeinträge zu reduzieren.
Schneider will einen „Aktionsplan Meer“ auflegen, der unter anderem die Bergung von 1,6 Millionen Tonnen Weltkriegsmunition in Nord- und Ostsee vorsieht. Die rostende Munition bezeichnete er als „tickende Zeitbombe“. Der Plan soll bis Jahresende durchs Kabinett, doch beim Thema Meeresschutzgebiete gibt es Widerstand von CDU und CSU im Bundestag, die eine heimische Gasförderung nicht ausschließen wollen.
Quelle: www.faz.net



