Die Kündigung der VGF traf am Montagmorgen ein, am Nachmittag war die Unterkunft in der B-Ebene der Station bereits geräumt. Neun Jahre lang konnten Obdachlose dort schlafen, meist im Winter, zuletzt auch in heißen Sommernächten. Der Mietvertrag mit dem Frankfurter Verein für soziale Wohnstätten galt nur für das Winterhalbjahr, doch die VGF kündigte das Arrangement zum 30. September und forderte wegen „Gefahr für Leib und Leben“ die sofortige Räumung.
Sozialdezernentin Elke Voitl (Die Grünen) steht nun vor einer enormen Herausforderung: „Wir müssen in Windeseile Schlafplätze für 150 Menschen organisieren“, sagt Dezernentin Elke Voitl (Die Grünen). In Krisensitzungen mit der Feuerwehr und dem Katastrophenschutz werde nach anderen Übernachtungsmöglichkeiten gesucht. Das Angebot der Stadt, in der Station Zuflucht zu finden, sei bis zuletzt rege genutzt worden – bis zu 150 Personen suchten dort jeden Abend Schutz vor der Hitze.
Die VGF begründete die Kündigung mit dem Brandschutz. Die Notübernachtung sei für einen Dauerbetrieb neu bewertet worden: Selbst ein kleiner Brand könne für die Obdachlosen gefährlich sein, weil die Station schnell verrauche. Zudem seien viele von ihnen krank und könnten im Notfall nicht schnell fliehen. Die Genehmigung von 2018 durch die Aufsichtsbehörde und das Regierungspräsidium Darmstadt galt nur für die damalige Winternotlage, mittlerweile werde die B-Ebene fast ganzjährig genutzt.
Voitl zeigte sich über die harte Wendung überrascht: Man habe von dem Brandschutzgutachten gewusst, aber Umbaumaßnahmen geplant, um die Situation zu verbessern. Mobilitätsdezernent Wolfgang Siefert (Die Grünen), zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der VGF, kritisierte die Räumung als „völlig inakzeptabel“. Die SPD-Fraktion forderte den Magistrat auf, schnell eine Alternative zu finden. Die verkehrspolitische Sprecherin der SPD, Kristina Luxen, wies Kritik an der VGF zurück: Kernaufgabe des Unternehmens sei ein sicherer Nahverkehr, nicht die Unterbringung Obdachloser.
Quelle: www.faz.net



