Bei der Verleihung des Deutschen Nationalpreises teilte sich Herbert Grönemeyer den Handventilator mit Andreas Voßkuhle, dem früheren Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts. Der 70-Jährige rief zu einem optimistischen Blick nach vorn auf und bekannte sich zu seiner Verantwortung für jüngere Generationen. Die Gesellschaft sei „prallvoll mit demokratischen, humanistischen Elementen“, so Grönemeyer. Er erinnerte an die Aufnahmebereitschaft vieler Menschen während der Flüchtlingskrise 2015.
Gleichzeitig übte der Musiker deutliche Kritik an der politischen Klasse. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hätten führende Politikerinnen und Politiker kaum mit der Bevölkerung gesprochen. „Frau Merkel schwieg, außer dem „Wir schaffen das“, dann wieder Schweigen. Herr Scholz kopierte den Stil, setzte noch einen darauf, sprach kurz von der „Zeitenwende“ und verfiel dann wieder ins Stumme“, sagte Grönemeyer. Die aktuelle Koalition imitiere nach seiner Einschätzung das öffentliche Gezerre der Ampel, anstatt zu Kompromissen und klaren Ergebnissen zu kommen.
Mit einem Fußballvergleich unterstrich Grönemeyer seine Forderung nach mehr Zusammenhalt: Nationalspieler wie Felix Nmecha und Aleksandar Pavlović konkurrierten in der Bundesliga hart, suchten im Nationaltrikot aber gemeinsam den Weg zum Tor. „Wir wollen Taten und kein Getratsche“, so der Musiker.
Quelle: www.spiegel.de



