Nas Mohamed, der aus Katar geflohen ist, lebt mittlerweile in San Francisco. Dort wird sein Heimatland Katar bei der Fußball-Weltmeisterschaft spielen. Für Mohamed ist dies eine Gelegenheit, auf die Diskriminierung von LGBTQ+-Personen in Katar aufmerksam zu machen. „Es gibt einen Teil in mir, der wütend, verletzt und traurig ist“, erklärt er. „Die katarische Nationalmannschaft spielt im Pride-Monat, und das ist für mich sehr emotional. Ich versuche jedoch, mich nicht von diesen Gefühlen leiten zu lassen, denn sonst würde ich mich nicht mehr aus meiner Wohnung trauen. Die Last, die auf mir liegt, ist enorm. In Katar wird Homosexualität kriminalisiert, und ich habe alles hinter mir gelassen, um hier zu sein. In San Francisco werde ich für meine Identität gefeiert, aber ich bin der einzige Katarer, der offen zu seiner Sexualität steht. Jeder weiß, wer ich bin.“
Als Arzt hat Nas Mohamed vor einigen Jahren den Mut aufgebracht, als erster Katarer öffentlich zu seiner Homosexualität zu stehen. Bereits 2015 beantragte er in den USA Asyl, da queere Menschen in seinem Heimatland verfolgt werden. In San Francisco setzt er sich aktiv für die Rechte von LGBTQ+-Personen ein und hat auch gegen die WM 2022 in Katar protestiert. „Ich werde das Spiel im Stadion verfolgen“, sagt er. Begleitet wird er von Scott Weiner, einem kalifornischen Senator, der offen schwul und jüdisch ist. „Das ist eine große Sache für mich.“
Für das Spiel hat Nas ein besonderes Fashionstatement vorbereitet. Er hat einen Bisht, ein traditionelles katarisches Kleidungsstück, anfertigen lassen, der in Gold gehalten ist und mit den Worten „Liebe“ und „Freiheit“ bestickt wurde. Das Futter des Bisht ist in Regenbogenfarben gestaltet. „Ich erwarte unterschiedliche Reaktionen von den Fans“, sagt er. „Wenn im Garten eine Blume wächst, stören sich manche daran, weil sie diese Pflanze nicht haben wollten. Ich sage: Ihr könnt die Blume nicht mögen, aber ich werde so bleiben, wie ich bin. Denn ich existiere und bin real. Ich lasse mir dieses Fußballspiel nicht nehmen und werde es genießen, während ich ein Hotdog esse.“
Nas Mohamed ist ein Symbol für den Kampf um queere Rechte und die Sichtbarkeit von LGBTQ+-Personen in einem Land, in dem diese oft unterdrückt werden. Sein Engagement und seine Entschlossenheit, trotz der Widrigkeiten zu leben und zu kämpfen, sind inspirierend. Während die katarische Nationalmannschaft in San Francisco spielt, wird Nas Mohamed ein Zeichen setzen, das weit über das Fußballspiel hinausgeht.
Quelle: www.tagesspiegel.de



