In der Stadt konnten Interessierte am Wochenende 25 Dachgärten und -terrassen besichtigen. Zu bestaunen gab es nicht nur mitunter spektakuläre Ausblicke, sondern auch manch unerwartete Einbauten.
Der Blick auf eine Stadt von oben herab ist wohl eine Ur-Sehnsucht der Menschen. Deshalb steigen sie auf Kirchtürme, fotografieren aus Flugzeugen oder betrachten Replika wie das Sandtner’sche Stadtmodell aus dem Jahr 1570: Es verschafft ein angenehmes Gefühl des Wiedererkennens, der Feststellung, was gleich geblieben ist und was sich verändert hat, einen großen Überblick, losgelöst vom Zwang der Wände und Mauern, der den Blick kurzerhand abschneidet.
Glücklicherweise gibt es in München immer mehr Gebäude, die diesen Blick von oben möglich machen – hohe Häuser, deren oberste Ebene nicht mehr nur zum Abstellen von Putzmaterial genutzt wird, sondern die den Bewohnern oder den dort Beschäftigten eine eigene Art von Freizeitqualität bieten: Dachgärten sind nicht nur ökologisch sinnvoll, weil sie Niederschläge puffern und Lebensraum für Pflanzen und Tiere bieten. Durch sie entstehen auch grüne Lungen, die unten, am Boden, oftmals nicht mehr geschaffen werden können.
So gesehen, ist es keine Überraschung, dass der „Tag der Dachgärten“ am Samstag zahlreiche Interessenten fand – ob nun durch besondere Aktionen oder durch die bloße Gelegenheit, Orte und Blicke zu erkunden, die den meisten sonst versperrt sind. Die Attraktivität des Angebots wird auch darin deutlich, dass viele Veranstaltungen schon lange vor dem Termin ausgebucht waren.
Etwa die Möglichkeit, am frühen Morgen Yoga auf dem Kulturdachgarten des Fat Cat zu betreiben, der früher mal Gasteig hieß. Dietmar Holzapfel zeigte das Dach seines Lokals „Deutsche Eiche“, und manche staunten wohl nicht schlecht, als sie erfuhren, dass auf dem Dach der „Macherei“ in Berg am Laim eine 160-Meter-Tartanbahn installiert ist, auf der man an einem Laufkurs hätte teilnehmen können, wenn man es rechtzeitig gewusst hätte: auch hier ausgebucht.
25 Dächer standen zur Auswahl, entweder mit Führung oder zum eigenständigen Erkunden. Und wenn man sich schon keine der Wohnungen im „The Seven“ an der Müllerstraße leisten kann – vom 56 Meter hohen Dach des ehemaligen Heizkraftwerks auf die Altstadt zu schauen, das erfüllt auch so eine Ur-Sehnsucht des Menschen, die Sehnsucht nach Überblick.
Quelle: www.sueddeutsche.de



