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Ex-Chefredakteur Casdorff: Tagesspiegel stoppt KI-Kolumnen

Der Tagesspiegel hat seinen früheren Chefredakteur Stephan-Andreas Casdorff von seinen Aufgaben als Editor-at-Large entbunden, nachdem er Meinungstexte ohne Kennzeichnung mit Künstlicher Intelligenz verfasst hatte. Das teilte die Zeitung am Donnerstag mit.

Ex-Chefredakteur Casdorff: Tagesspiegel stoppt KI-Kolumnen
Bild: img.zeit.de

Casdorff selbst räumte den Vorgang ein und sprach von einem „Riesenfehler“. Er habe dem Haus und sich selbst geschadet, zitierte ihn die Zeitung. „Für die Texte habe ich KI genutzt. Das hätte ich kenntlich machen müssen und sie deswegen nicht publizieren dürfen“, so Casdorff.

Die Chefredaktion betonte, dass KI in der Redaktion zwar als Werkzeug für einzelne Arbeitsschritte eingesetzt werde, aber nicht den Kern der journalistischen Arbeit übernehmen dürfe. „Journalistische Urteilsbildung, Gewichtung von Informationen, analytische Einordnung und sprachliche Gestaltung müssen immer in der Verantwortung der Autorinnen und Autoren liegen“, hieß es. Das Verfassen ganzer Texte mit KI verstoße gegen die redaktionellen Richtlinien.

Durch Casdorffs Handeln sieht die Zeitung die journalistische Glaubwürdigkeit des Hauses gefährdet. Eine interne Untersuchung wurde angekündigt, bei der mit externer Unterstützung geprüft werden soll, ob auch an anderen Stellen unsachgemäß KI zum Einsatz kam. Wie die Verfehlungen auffielen, teilte der Tagesspiegel nicht mit.

Casdorff war von 2004 bis 2018 gemeinsam mit Lorenz Maroldt Chefredakteur des Tagesspiegels, später Mitherausgeber und seit 2025 Editor-at-Large. Zuletzt veröffentlichte er regelmäßig Kommentare, Nachrufe und Nachrichtenbeiträge.

Quelle: www.zeit.de