Die Salzburger Festspiele wurden von Maria Kalesnikawa eröffnet – einer Flötistin, Performerin und Bürgerrechtlerin, die fünf Jahre in belarussischer Haft verbrachte, davon Monate in Einzelhaft. In ihrer Kolumne „Lost and Found“ beschreibt Katja Petrowskaja, wie Kalesnikawa trotz dieser Freude und Mut ausstrahlt. Sie sei nun Ehrenprofessorin des Mozarteums und betrachte Demokratie wie eine Musikerin, so Petrowskaja.
Gemeinschaft als Gegenmittel
Petrowskaja schildert ihre Reisen durch sommerliche Menschenmengen und die Sehnsucht, das Wort „wir“ zu sagen. Sie sieht in Touristen eine „Gemeinde der Gleichgesinnten“, die sich offline und nur kurz bildet. Diese Idee, so schreibt sie, gebe ihr etwas Tröstliches – gerade in einer Zeit, in der ihre Heimat Ukraine von Russlands Angriffskrieg geprägt ist und Südeuropa brennt.
Die Kolumnistin verbindet persönliche Eindrücke mit kulturellen Bezügen: Sie besucht „ihren“ Bruegel, der Menschenmengen zeichnete, und denkt über das Grab von Paracelsus in Salzburg nach. Der Mediziner, der den Menschen als Einheit von Körper, Seele und Geist sah, habe sein Vermögen an Kranke und Arme verteilt – ein Beispiel für Widerstand gegen das Düstere.
Franziskus und die Freude in der Prüfung
Ein zentraler Bezugspunkt ist Olivier Messiaens Oper „Saint François d’Assise“, die in diesem Jahr bei den Festspielen in der Regie von Romeo Castellucci gezeigt wird. Petrowskaja sieht in Franziskus eine Figur, die Künstler immer wieder anzieht: seine Radikalität, Sanftmut und Liebe zu den Armen. Der heilige Franziskus preise die Freude gerade in Momenten der Not – eine Haltung, die angesichts der Weltlage aktuell erscheint.
Die Autorin verbindet dies mit einer persönlichen Geschichte: Ein Freund namens Franziskus, kurz Franja, wurde kurz vor Kriegsbeginn in Kiew geboren. Mit seinen Brüdern Hector und Josef bildet er eine „magische Gruppe“. Die Familie hat die Ukraine für einige Wochen verlassen, um sich von den intensiven Angriffen zu erholen – und ist sogar bis Assisi gereist. Petrowskaja wünscht der Familie, dass sie nicht länger solchen Prüfungen ausgesetzt sein wird.
Die Kolumne endet mit einem Ausblick auf den kuratierten Ausstellungskalender des F.A.Z.-Feuilletons für August 2026 – mit Stationen in Zürich, Wien und Bonn. Petrowskaja sammelt Eindrücke und Klänge, um ein „Mosaik der Zugehörigkeit“ zu schaffen.
Quelle: www.faz.net



