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Ceuta-Krise: Knaus nennt Schuldzuweisungen an Spanien irrational

Der Migrationsexperte Gerald Knaus hält die Vorwürfe gegen Spaniens Regierung in der Ceuta-Krise für irrational. Wie er im Interview mit tagesschau.de sagte, seien die Bilder des Ansturms verstörend gewesen, die Fakten sprächen jedoch gegen eine Mitschuld Spaniens.

Ceuta-Krise: Knaus nennt Schuldzuweisungen an Spanien irrational
Bild: Tagesschau

Der Migrationsexperte Gerald Knaus hält die Vorwürfe gegen Spaniens Regierung in der Ceuta-Krise für irrational. Wie er im Interview mit tagesschau.de sagte, seien die Bilder des Ansturms verstörend gewesen, die Fakten sprächen jedoch gegen eine Mitschuld Spaniens.

Der Migrationsexperte Gerald Knaus hat die indirekten Vorwürfe von 22 EU-Regierungschefs gegen Spanien im Zusammenhang mit der Krise in Ceuta als irrational bezeichnet. Die Schuldzuweisungen seien eine Reaktion auf verstörende Bilder gewesen, nicht auf Fakten, sagte Knaus im Interview mit tagesschau.de. Die EU müsse nun schnell eine Entscheidung treffen, um ähnliche Ereignisse in der Zukunft zu verhindern.

Zahlen widerlegen Vorwürfe

Knaus verwies darauf, dass Spanien in der ersten Jahreshälfte insgesamt nur 14.000 irreguläre Migranten aus ganz Afrika verzeichnet habe – weniger als im Vorjahr und weniger als zeitgleich in Italien oder Griechenland. Die Ankunft von 50.000 bis 60.000 Menschen an einem einzigen Tag in Ceuta sei „vollkommen untypisch“ und habe es in den vergangenen Jahrzehnten nicht gegeben. Die Zahlen seien fünfmal höher gewesen als auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise auf den griechischen Inseln.

Auch die Behauptung, Spaniens Angebot eines einjährigen Aufenthaltsstatus für irregulär im Land lebende Migranten habe den Ansturm ausgelöst, wies Knaus zurück. Ähnliche Regelungen habe es in Spanien bereits siebenmal gegeben, ohne dass die Migrationszahlen danach gestiegen seien. Fast 90 Prozent der Antragsberechtigten in Spanien seien Südamerikaner gewesen, erklärte der Experte.

Bilder schlagen Statistiken

Knaus zeigte Verständnis für die Reaktion der Regierungschefs: „Die große Lehre der vergangenen zehn Jahre ist: Bilder schlagen Statistiken.“ Der Anblick eines Kontrollverlusts in einer Stadt mit 85.000 Einwohnern, in die an einem Tag 50.000 bis 60.000 Menschen strömten, sei „fast apokalyptisch“. Viele Regierungen hätten aus Hilflosigkeit gehandelt, ähnlich wie Deutschland mit Grenzkontrollen, die jedoch wirkungslos blieben.

Spanien die Schuld zu geben, hätte Europa gemeinsam an Marokko appellieren sollen, wie es zuvor im Fall von Belarus, der Türkei oder Libyen geschehen sei, so Knaus. Eine konstruktive Reaktion wäre gewesen, zu fragen: „Wie verhindern wir, dass so etwas in der Zukunft wieder passiert?“

Untersuchung gefordert

Knaus forderte eine unabhängige, intensive Untersuchung der Ereignisse, bei denen mittlerweile von mehr als 80 Toten die Rede ist. Marokko habe ein Interesse an Aufklärung, falls die Vorgänge nicht absichtlich herbeigeführt wurden. Auch die Rolle von Desinformation in sozialen Medien müsse geprüft werden. Das spanische Gerichtsurteil, das Zurückweisungen auf See einschränkt, sei als Auslöser „eine Desinformation“ gewesen, betonte der Migrationsexperte.

Quelle: Tagesschau