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EU importiert russisches Ammoniak trotz Sanktionen

Die EU kauft weiterhin russisches Ammoniak – legal über ein Sonderkontingent von 700.000 Tonnen pro Jahr. Nach SWR-Recherchen sind die beteiligten Firmen mit Putin-nahen Oligarchen und der Sprengstoffindustrie verbunden.

EU importiert russisches Ammoniak trotz Sanktionen
Symbolbild: Jakub Pabis / Pexels

Die EU kauft weiterhin russisches Ammoniak – legal über ein Sonderkontingent von 700.000 Tonnen pro Jahr. Nach SWR-Recherchen sind die beteiligten Firmen mit Putin-nahen Oligarchen und der Sprengstoffindustrie verbunden.

Trotz der Sanktionen gegen Russland importiert die EU weiterhin russisches Ammoniak – legal auf Grundlage eines „EU-Sonderkontingents“ von 700.000 Tonnen pro Jahr. Das berichtet tagesschau.de unter Berufung auf Recherchen des SWR, die am Montag, 2. November, veröffentlicht wurden.

Demnach erreichte das Tankschiff „Eco Sorcerer“ am 5. Oktober erneut den Chemiehafen von Antwerpen. Filmaufnahmen des SWR zeigen, wie es in einem Hafenbereich andockt, den die BASF und die Firma EuroChem gemeinsam nutzen. An Bord: mehr als 20.000 Tonnen russisches Ammoniak. Zehn Tage zuvor sei die Ladung im russischen Hafen Ust Luga am Terminal von EuroChem gefüllt worden, heißt es unter Verweis auf über mehrere Wochen ausgewertete Satellitendaten. Diese belegten auch, dass die Transporte unentwegt stattfinden.

Ammoniak gilt weltweit als Rohstoff vor allem für die Düngemittelproduktion und wird aus Erdgas hergestellt. Während Erdgas immer weiter sanktioniert wird, hat Russland die Ammoniakproduktion samt Hafenanlagen und Transportwegen laut SWR mit Milliardeninvestitionen ausgebaut – nach einem Strategiepapier des russischen Energieministeriums von 2014, das eine massive Steigerung bis 2030 vorsieht.

Der Sanktionsexperte Benjamin Hilgenstock von der Kyiv School of Economics sagte dem SWR: „Russland versucht systematisch, sich an Sanktionen anzupassen.“ In diesem Fall könne das Land „seine Energieressourcen indirekt exportieren und damit Einnahmen erzielen, selbst wenn der direkte Export zunehmend eingeschränkt wird“.

Das EU-Parlament wollte diesen Handel laut einem Antrag im Jahr 2025 eigentlich stoppen, doch russlandfreundliche Abgeordnete hätten immer wieder „schmerzhafte Kompromisse“ ausgehandelt, sagte die luxemburgische EU-Abgeordnete Isabel Wiseler-Lima (Christdemokraten) dem SWR. Am Ende sei das Sonderkontingent verabschiedet worden. „Das kann nicht zufriedenstellend sein, absolut nicht. Wir müssen in eine Situation kommen, wo kein einziger Cent mehr nach Russland fließt“, so Wiseler-Lima.

Nach SWR-Recherchen laufen die Importe über EuroChem, einen der weltweit größten Produzenten von Rohstoffen für Düngemittel, mit Tochterfirmen in Antwerpen und in Deutschland. Gründer Andrey Melnichenko steht seit kurz nach dem russischen Angriff 2022 auf der EU-Sanktionsliste; die Begründung nennt ihn einen der wichtigsten Oligarchen Russlands, der Putin und den Krieg gegen die Ukraine unterstütze. Das Unternehmen selbst ist nicht sanktioniert – Melnichenko hatte seine Firmenanteile im Wert von mehreren Milliarden Euro 2022 an seine Ehefrau übertragen. In russischen Medien trete er weiterhin als Verantwortlicher von EuroChem auf.

Laut SWR beliefert EuroChem zudem russische Militärfirmen mit Salpetersäure für die Sprengstoffproduktion; dies gehe aus Finanzberichten hervor. Ein Bericht des estnischen Geheimdienstes aus dem Frühjahr 2026 schreibt EuroChem eine Schlüsselrolle in der Produktion von Rohstoffen für die russische Sprengstoffindustrie zu. Hilgenstock fordert: „Alle Unternehmen, die einen wesentlichen Beitrag zur russischen Kriegswirtschaft leisten, sollten sanktioniert und sämtliche Transaktionen mit ihnen verboten werden.“ Die EU-Kommission ließ eine Anfrage des SWR zu EuroChem und EU-Sanktionen bis zum Redaktionsschluss unbeantwortet, die russische EuroChem-Zentrale einen Fragenkatalog ebenso.

Quellen

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