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Gerasimov kündigt Feuerpause für Oleschky ab 27. Oktober an

Russlands Generalstabschef Waleri Gerasimov hat eine „Ruhephase“ an der Chersoner Front für eine humanitäre Operation in Oleschky angekündigt – zwei Tage früher als mit den USA vereinbart.

Gerasimov kündigt Feuerpause für Oleschky ab 27. Oktober an
Symbolbild: Maarten Ceulemans / Pexels

Russlands Generalstabschef Waleri Gerasimov hat eine „Ruhephase“ an der Chersoner Front für eine humanitäre Operation in Oleschky angekündigt – zwei Tage früher als mit den USA vereinbart.

Russlands Generalstabschef Waleri Gerasimov hat an der Front in der Region Cherson eine „Ruhephase“ angekündigt, die am Dienstag, 27. Oktober, um 4 Uhr Moskauer Zeit beginnen soll, um eine humanitäre Operation in der besetzten Stadt Oleschky zu ermöglichen. Das berichtet die Kyiv Post unter Berufung auf die russische Nachrichtenagentur Interfax-Russia vom Freitag, 23. Oktober. Der Termin liegt zwei Tage vor dem Datum, das zuvor in Absprache mit dem Weißen Haus vereinbart worden war.

„Um die Sicherheit der Menschen und die Lieferung sozial wichtiger Güter zu gewährleisten, werden Ingenieuraufklärung organisiert und eine sichere Durchfahrt eines humanitären Konvois in die Siedlung Oleschky in der Region Cherson sichergestellt“, sagte Gerasimov laut Interfax-Russia. Zur Dauer der Operation machte Kremlsprecher Dmitri Peskow zunächst keine konkreten Angaben; nach Darstellung der staatlichen Nachrichtenagentur TASS sagte er, sie werde „natürlich“ mindestens mehrere Tage dauern.

Die Ukraine hat die unter Vermittlung des Weißen Hauses zustande gekommene Vereinbarung bestätigt, den früheren Beginn aus Moskau aber bislang nicht kommentiert. Nach Angaben der Kyiv Post haben weder Kyjiw noch Washington erklärt, warum Moskau einen früheren Termin nennt.

Ein Abkommen mit drei Stufen – und ein früherer Termin

Der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinez, der die Gespräche mit seiner russischen Amtskollegin Jana Lantratowa geführt hatte, hatte zuvor bestätigt, dass die Feuerpause am 29. Oktober beginnen sollte. Er nannte laut dem Nachrichtenportal Ukrajinska Prawda drei Bestandteile der Vereinbarung: „Erstens wird eine Ruhephase gewährleistet; zweitens werden humanitäre Güter nach Oleschky geliefert; drittens wird die freie Bewegung von Zivilisten aus Oleschky sichergestellt.“ Details zur Dauer der einzelnen Stufen, zum Umfang der Hilfslieferungen und zu Evakuierungsrouten nannte er nicht. Lubinez bat Öffentlichkeit und Medien zudem um Vorsicht beim Teilen von Informationen über die Mission: „Die ganze Welt weiß jetzt von Oleschky.“

Davyd Arachamija, Fraktionschef der Partei Diener des Volkes von Präsident Wolodymyr Selenskyj in der Werchowna Rada, sagte, die Operation zur Öffnung von Oleschky und Umgebung werde bald beginnen. Er bezeichnete die Vereinbarung als Ergebnis eines langen Prozesses mit vielen Beteiligten auf verschiedenen politischen Ebenen und hob dabei Papst Leo XIV. und Melania Trump hervor.

Am Freitag hatte das Weiße Haus mitgeteilt, die Ukraine und Russland hätten sich auf eine zeitweise Einstellung der militärischen Aktivitäten in Oleschky verständigt, um Hilfslieferungen zu ermöglichen und die Evakuierung von Zivilisten vorzubereiten – beginnend am 29. Oktober. Wie lange der Waffenstillstand dauern und wie viele Menschen evakuiert werden sollen, blieb offen. Laut der Erklärung aus Washington sollen nichtmilitärische Vertreter der Ukraine und Russlands die Bewohner zu Hause besuchen, um ihren Bedarf zu erfassen.

„Die Menschen in Oleschky haben nur begrenzt Strom, leben zwischen verminten Straßen und sind regelmäßigen militärischen Angriffen ausgesetzt. Es war völlig klar, dass ohne mein Eingreifen die Möglichkeit, humanitäre Hilfe in die Stadt zu bringen und die Alten zu evakuieren, nicht bestehen würde“, sagte US-First-Lady Melania Trump.

Warum die Stadt seit Monaten ohne Lebensmittel ist

Oleschky liegt im Süden der Region Cherson am linken Ufer des Dnipro, rund fünf Kilometer südöstlich der Stadt Cherson, und ist seit den ersten Tagen des großangelegten russischen Angriffskriegs im Februar 2022 besetzt. Nach Darstellung der Kyiv Post haben die Bewohner seit dem 26. Mai keine Lebensmittel mehr erhalten; auch an Trinkwasser und Medikamenten fehlt es. Tetjana Hassanenko, Leiterin der militärischen Stadtverwaltung von Oleschky, zufolge ist die einzige Apotheke der Stadt seit Monaten ohne wichtige Medikamente, die medizinische Versorgung ist durch Stromausfälle und Treibstoffmangel stark eingeschränkt.

Außenminister Andrij Sybiha beschrieb die Lage mit den Worten, Familien hungerten und lebten von Resten aus Gärten, Konserven und sogar Schnecken; Bewohner berichteten, russische Soldaten hätten ihnen mit vorgehaltener Waffe ihr Essen abgenommen. Lubinez erklärte am 16. September, die Menschen begännen, zu Fuß über verminte Felder zu fliehen, unter ständiger Gefahr russischer Drohnenangriffe. Damals sprach er von 176 eingegangenen Appellen zur humanitären Lage in Oleschky und mindestens 358 überprüften Personen, die dringend Hilfe zum Verlassen der Stadt benötigen. Am Montag, 19. Oktober, bestätigte er dem Bericht zufolge tägliche Kontakte zwischen Kyjiw und Moskau über eine mögliche Evakuierung und sagte: „Ich kann viele Details nicht nennen, aber ich will sagen: Aus meiner Sicht haben wir erhebliche Fortschritte gemacht.“ Keine der beiden Zahlen ließ sich unabhängig überprüfen, auch weil die russischen Besatzungsbehörden den Zugang zu Informationen aus dem Gebiet stark beschränken.

Papst Leo XIV. hatte am 16. Oktober mit Putin telefoniert – dem Bericht zufolge das zweite Gespräch der beiden nach dem 4. Juni 2025 – und seine tiefe Besorgnis über die humanitäre Lage in Oleschky geäußert. Er drängte den russischen Präsidenten, einem sofortigen Waffenstillstand zuzustimmen und die Lieferung von Nahrung und medizinischer Hilfe zu erlauben. Der Kreml unterstützte die Initiative des Vatikans, wies die Verantwortung für die Krise aber erneut der Ukraine zu. Am Montag, 19. Oktober, sprach der Papst mit Selenskyj und bekräftigte seine Forderung nach einer humanitären Feuerpause. „Wir arbeiten daran, unseren Menschen dort zu helfen. Wir bereiten Entscheidungen vor“, sagte Selenskyj und bestätigte das Gespräch.

In ukrainischen Medien stößt die Ankündigung Moskaus auf Skepsis: Angesichts der wiederholten Brüche früherer, auch selbst erklärter Waffenstillstände durch Russland wird laut Kyiv Post die Sorge vor Sabotage laut. Für die Menschen in Oleschky bleibt bis zum angekündigten Termin am 27. Oktober offen, ob der Konvoi tatsächlich rollt – zugesagt sind bislang nur Aufklärung, sichere Durchfahrt und die russische Zusage, die Operation dauere „mindestens mehrere Tage“.

Quellen

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