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Huthi-Angriffe: USA holen Diplomaten aus Saudi-Arabien

Nach Angriffen auf die Flughäfen von Dammam und Riad schicken die USA Botschaftsfamilien heim. Was bekannt ist, wo sich Angaben widersprechen und was Reisende wissen müssen.

Huthi-Angriffe: USA holen Diplomaten aus Saudi-Arabien
Grafik: EuroPulse

Nach Angriffen auf die Flughäfen von Dammam und Riad schicken die USA Botschaftsfamilien heim. Was bekannt ist, wo sich Angaben widersprechen und was Reisende wissen müssen.

Die USA haben ihr nicht im Notfalleinsatz tätiges Botschaftspersonal und dessen Familien zur Ausreise aus Saudi-Arabien aufgefordert. Auslöser sind die fast täglichen Raketen- und Drohnenangriffe der jemenitischen Huthi-Miliz auf saudische Flughäfen und Ölanlagen. Stand: Donnerstag, 22. Oktober, vormittags.

Am Mittwochabend wurde der King-Fahd-Flughafen in Dammam getroffen, der wichtigste Airport der ölreichen Ostprovinz. Die saudische Zivilluftfahrtbehörde nennt zwei Tote – einen Saudi und einen Inder – sowie acht Verletzte; die taz berichtet unter Berufung auf Behörden von einem Todesopfer, hier gehen die Angaben auseinander. Der Betrieb wurde kurz unterbrochen und lief nach Behördenangaben wieder normal. Zuvor hatte Saudi-Arabiens Energieministerium gemeldet, eine Drohne auf die Aramco-Anlage Shaybah sei abgefangen worden; dabei kamen zwei Menschen ums Leben.

Eine Eskalation, die im Oktober begann

Der schwerste Angriff traf am 10. Oktober den Flughafen Riad: Nach Angaben der Luftfahrtbehörde starben mindestens zwölf Menschen, mehr als 300 wurden verletzt (die taz nennt 13 Tote). Der Airport ist seither für den Zivilverkehr gesperrt. Das Auswärtige Amt warnt seit dem 19. Oktober vor Reisen nach Saudi-Arabien und führt Riad, Dammam, Abha, Jasan und Nadschran als angegriffene Flughäfen auf. Lufthansa und andere Airlines fliegen Riad vorerst nicht an, Veranstalter wie Dertour sagten Reisen bis Ende Oktober ab.

US-Außenamtssprecher Tommy Pigott sagte auf X, die Huthis hätten „zunehmend Feindseligkeiten gegen Saudi-Arabien“ verübt, auch gegen zivile Flughäfen mit Toten und „schweren Reisestörungen“. Die Anordnung gelte „nur“ für Saudi-Arabien; Berichte über eine Golf-weite Anordnung nannte er „unzutreffend“. Vier US-Beamte sagten dagegen der Nachrichtenagentur Reuters, auch andere Golf-Vertretungen würden Familien ausfliegen; laut AFP betrifft das die Emirate, Jordanien, Katar und Bahrain. Dieser Widerspruch ist bisher nicht aufgelöst.

Die Folgen sind bereits sichtbar: Das Königshaus sagte die Konferenz „Future Investment Initiative“ ab, die für kommende Woche geplant war. Emmanuel Macron reiste überraschend nach Riad und vereinbarte laut Élysée mit Kronprinz Mohammed bin Salman verlängerte Diesellieferungen. Der Ölpreis stieg nach dem Dammam-Angriff; The National nennt Brent über 110 Dollar je Barrel – eine Zahl, die wir bislang aus einer Quelle haben.

Warum die Huthi-Front jetzt so viel Gewicht hat

Der Konflikt ist Teil des Iran-Kriegs, der nach Angaben von The National Ende Februar mit dem US-israelischen Angriff auf Iran begann. Substanzielle Verhandlungen laufen nicht: Washington will ein Atomabkommen und setzt auf seine Blockade, Teheran verlangt zuerst wirtschaftliche Entlastung und ein Ende des Kriegs – und will „nicht einen Partikel“ angereicherten Urans abgeben, wie das Handelsblatt Teherans Linie wiedergibt. Ali Vaez von der International Crisis Group schrieb in TIME, Militärgewalt könne „das Gleichgewicht des Schmerzes verändern, ohne die Streitpunkte zu lösen“. Trump hat laut TIME zugesagt, vor den US-Zwischenwahlen am 3. November nicht anzugreifen.

Unsere Einschätzung, mit Vorbehalt: Solange diese Zusage hält, dürfte Teheran über die Huthis Druck auf Washingtons wichtigsten Golfpartner ausüben, ohne selbst direkt zu handeln. Das Risiko liegt weniger in einem einzelnen Angriff als darin, dass Airports, Ölanlagen und Entsalzungsanlagen dauerhaft zum Ziel werden. Für Europa heißt das vor allem: höhere Energiepreise, unsichere Lieferketten – und für Reisende aus Deutschland konkrete Fragen.

Wer Saudi-Arabien gebucht hat: Eine Reisewarnung ist kein Reiseverbot, gilt aber laut Reiserechtlern als starkes Indiz für außergewöhnliche Umstände. Pauschalreisen lassen sich dann meist kostenfrei stornieren; bei direkt gebuchten Flügen hilft nur eine Streichung durch die Airline oder Kulanz. Wer vor Ort ist, sollte sich in die Krisenvorsorgeliste Elefand eintragen. Ob die Hadsch im Mai 2027 betroffen ist, ist offen; Experten raten, gebuchte Reisen nicht vorschnell abzusagen.

Quellen: Auswärtiges Amt, The National, Al Jazeera, taz, TIME

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