Bei Sorgerechtskonflikten wie in Stade kommt es häufig zu Gewaltausbrüchen, besonders gegen Mitarbeiter der Jugendhilfe. Ein Mann hatte dort sechs Menschen erschossen, Hintergrund war ein Sorgerechtsstreit um ein drei Monate altes Baby. Der Täter eröffnete das Feuer während eines Hilfeplangesprächs in einem Mutter-Kind-Heim.
Elke Alsago, Leiterin der Bundesfachgruppe Erziehung, Bildung und Soziale Arbeit bei Verdi, erklärte gegenüber der FAZ, dass Gewalt in Sorgerechtskonflikten kein neues Phänomen sei. Hilfeplangespräche seien oft hochkonflikthaft, da dort konträre Vorstellungen der Beteiligten in Einklang gebracht werden müssten. Alsago selbst erlebte als Kitaleiterin Gewalt: Ein Vater habe ihr eine Pistole an den Hals gehalten, als sie ihm das Kind nicht mitgeben durfte.
Eine Studie von Alsago und Nikolaus Meyer von der Hochschule Fulda zeigt: Rund 64 Prozent der befragten Beschäftigten in der stationären Kinder- und Jugendhilfe haben bereits physische Gewalt erlebt. Psychische Gewalt ist mit 90,5 Prozent noch weiter verbreitet. Die Dunkelziffer ist hoch: Nur 47 Prozent der Betroffenen melden Vorfälle als Arbeitsunfall. Die Autoren fordern eine bessere personelle Ausstattung, um Gewalt strukturell zu begegnen.
Quelle: www.faz.net



