Der elfjährige Jordan Smelski starb nach einem Urlaub in Costa Rica an einer Infektion mit Naegleria fowleri – einer einzelligen Amöbe, die durch die Nasenhöhle ins Gehirn eindringt und dort Gewebe zerstört. Sein Vater Steve schilderte der BBC, wie der Junge nach nur einem Bad in einer heißen Quelle zunächst Kopfschmerzen bekam, dann halluzinierte und siebeneinhalb Tage später starb. Die Krankheit, die primäre amöbische Meningoenzephalitis (PAM), wird in 97 Prozent der Fälle tödlich.
Weltweit wurden zwischen 1962 und 2023 nur 488 Fälle registriert, doch im vergangenen Jahr verzeichnete allein der indische Bundesstaat Kerala über 200 Infektionen – der größte je dokumentierte Ausbruch. Die Amöbe, die früher vor allem in den Südstaaten der USA, Pakistan und Australien vorkam, wird nun auch in kühleren Regionen nachgewiesen: in Italien, Belgien, der Slowakei und in nördlichen US-Bundesstaaten wie Minnesota. Forscher führen die Ausbreitung auf steigende Wassertemperaturen durch den Klimawandel zurück.
Kinder sind besonders gefährdet, weil sie beim Spielen im Wasser häufiger Wasser durch die Nase einatmen und der Weg zwischen Nasenhöhle und Gehirn kürzer ist. „Es ist wie ein Albtraum, ein Horrorfilm oder ein Stephen-King-Roman“, sagte Professor Ian Wright von der University of Western Sydney der BBC. „Die Wahrscheinlichkeit, sich anzustecken, ist sehr gering – aber wenn es passiert, stirbt man höchstwahrscheinlich.“
Der Ausbruch in Kerala gibt jedoch Anlass zu vorsichtigem Optimismus: Dort überlebten mehr als die Hälfte der Infizierten, was auf frühere Diagnosen und bessere Behandlungsprotokolle zurückgeführt wird. Die Ergebnisse einer Studie im Fachjournal „Communications Medicine“ deuten darauf hin, dass die Infektion möglicherweise nicht mehr so hoffnungslos ist wie bisher angenommen. Dennoch betonen Experten, dass die Fallzahlen weltweit steigen werden – und raten zu Wachsamkeit, nicht zu Panik.
Quelle: www.bbc.com



