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Starlink: Kyjiw meldet mehr als 400 km/h, Selenskyj fordert Abfangraketen

Verteidigungsminister Jewhenij Chmara bestätigt, dass Starlink und Starshield wieder mit über 400 km/h laufen. Präsident Selenskyj drängt zugleich auf neue Lieferungen von Abfangraketen.

Starlink: Kyjiw meldet mehr als 400 km/h, Selenskyj fordert Abfangraketen
Symbolbild: Aleksander Dumała / Pexels

Verteidigungsminister Jewhenij Chmara bestätigt, dass Starlink und Starshield wieder mit über 400 km/h laufen. Präsident Selenskyj drängt zugleich auf neue Lieferungen von Abfangraketen.

Die Satellitenverbindung Starlink und Starshield steht den ukrainischen Streitkräften nach Angaben von Verteidigungsminister Jewhenij Chmara wieder mit einer Geschwindigkeit von mehr als 400 Kilometern pro Stunde zur Verfügung. Das sagte Chmara am Samstag vor Journalisten, wie das Nachrichtenportal NV unter Berufung auf die Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine berichtet. Die Verbindung sei derzeit stabil.

„Die Überwachungssysteme des Verteidigungsministeriums verzeichnen die Wiederherstellung der Geschwindigkeit von Starlink/Starshield. Wir messen mehr als 400 km/h, die Verbindung ist stabil“, zitierte NV den Minister. Zuvor hatten Quellen im Verteidigungsministerium der Deutschen Welle am Samstagmorgen gesagt, die Geschwindigkeit sei auf mehr als 161 km/h zurückgekehrt. Das Ministerium beobachte die Systeme weiter, sagte Chmara.

Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte die Wiederherstellung am Samstag in einer im Telegram-Kanal des Präsidialamts veröffentlichten Videoansprache bekannt gegeben, wie die Kyiv Post berichtet. „Die wichtigste Entwicklung für heute: Der Betrieb von Starlink und Starshield ist auf die Geschwindigkeiten zurückgeführt worden, die vor all diesen Einschränkungen bestanden“, sagte Selenskyj demnach. Die Wiederherstellung habe in der Nacht begonnen, am Morgen hätten die Geschwindigkeiten für den operativen Einsatz gereicht. Chmara habe ihn am Samstagmorgen in einem offiziellen Briefing über die Ergebnisse der technischen Tests informiert.

Was die Einschränkung für die Drohnen bedeutete

Die Begrenzung war am 14. Oktober bekannt geworden. Betroffen war das Starshield-Paket, das die ukrainischen Streitkräfte nutzen; bei Bewegungen über etwa 160 km/h brach die Verbindung ab. Das behinderte nach Angaben aus Kyjiw Angriffsmissionen gegen russische Truppen und Logistik auf besetztem Gebiet und verlangsamte die Abfangdrohnen, die auf russische „Shahed“-Drohnen mit Düsenantrieb angesetzt werden. Wodurch die Drosselung zustande kam, ist offiziell weiterhin unklar.

US-Präsident Donald Trump hatte am 23. Oktober erklärt, er habe die Einschränkung nicht angeordnet; am selben Tag behauptete er laut NV, SpaceX-Chef Elon Musk habe die Geschwindigkeitsbegrenzung für die militärische Version von Starlink aufgehoben. Ukrainische Militärs und Selenskyj berichteten jedoch weiter von bestehenden Limits – am 23. Oktober sagte Selenskyj in einem Interview mit ABC News, die Möglichkeiten von Starlink blieben eingeschränkt, Musk kenne die Lage. Musk selbst hatte am 14. Oktober auf X geschrieben, die Starshield-Systeme gehörten der US-Regierung und würden von ihr kontrolliert; Beschränkungen der Geschwindigkeit oder Nutzung entscheide das US-Militär und letztlich der US-Präsident. Die Frankfurter Rundschau gab seine Äußerungen am 15. Oktober wieder.

Der Streit reicht bis in den US-Kongress: Laut NV hat der demokratische Senator Richard Blumenthal eine Untersuchung der Starshield-Panne angestoßen, und Senatoren beider Parteien drohen damit, Trumps Personalentscheidungen zu blockieren. Die Kyiv Post schreibt, Selenskyj habe sich bei den amerikanischen Partnern, Abgeordneten, Medien, dem US-Außenministerium und Trump für die Lösung des Problems bedankt.

Nur 24 Patriot-Abfangraketen in drei Monaten

Deutlich schwieriger bleibt die Lage bei der Luftverteidigung. Selenskyj sagte laut Kyiv Post, Kyjiw sei mit Washington und europäischen Partnern im Gespräch, damit die regulären Lieferungen von Boden-Luft-Abfangraketen gegen russische ballistische Raketen wieder anlaufen. „Es ist sehr wichtig, dass die Lieferungen von Abfangraketen für die Luftverteidigung – Abfangraketen gegen russische Ballistik – erneuert werden. Es gibt Pakete, auf die wir noch warten. Darunter Pakete aus Amerika und von europäischen Partnern – Pakete, für die politische Entscheidungen bereits getroffen wurden“, wird er zitiert.

Nach früheren Angaben Selenskyjs, auf die die Kyiv Post verweist, hat die Ukraine in den vergangenen drei Monaten nur 24 Patriot-Abfangraketen aus den USA erhalten, bei einem geschätzten Bedarf von rund 350 Abfangraketen pro Monat. Die Zahl stammt aus Selenskyjs eigener Darstellung, nicht von den Lieferländern.

Für die kommende Woche kündigte der Präsident diplomatische Konsultationen in Europa an, an denen Vertreter des US-Präsidenten und europäische Verbündete teilnehmen sollen. „Europa muss in den diplomatischen Prozess eingebunden sein“, sagte er laut Kyiv Post und ergänzte, die Ukraine beziehe europäische Partner stets ein und rechne mit einer Fortsetzung in der kommenden Woche.

Ein Korridor für Oleschky

Eine Vereinbarung gibt es nach Selenskyjs Worten auch für die besetzte Stadt Oleschky in der südlichen Region Cherson, in der Menschen von Hunger und fehlender medizinischer Versorgung abgeschnitten sind. Russische Truppen hätten die Zufahrtsstraßen stark vermint. „Es gibt auch eine Vereinbarung zu Oleschky. Ihre Umsetzung soll bald erfolgen, damit der Zugang zu Oleschky freigegeben wird“, sagte Selenskyj. Man hoffe, dass die humanitäre Operation gelinge: Lebensmittel und Medikamente hineinbringen, Menschen aus der Kampfzone herauslassen. Die Vereinbarung sei auf mehreren institutionellen Ebenen besprochen worden; Kyjiw setze auf die Wirkung der amerikanischen Vermittlung.

Einschätzung der Redaktion: Die schnelle Rückkehr zu über 400 km/h zeigt, wie stark die ukrainische Kriegsführung an einem einzigen kommerziellen Satellitensystem hängt – und wie verwundbar sie ist, solange die Entscheidung darüber außerhalb Kiews fällt. Ob die Drosselung dauerhaft vom Tisch ist, lässt sich mit den vorliegenden Angaben nicht belegen; das Verteidigungsministerium will nach Chmaras Worten weiter messen. Für die Luftverteidigung bleibt die Lücke zwischen dem Bedarf von rund 350 Abfangraketen im Monat und den 24 Patriot-Raketen der vergangenen drei Monate das drängendere Problem.

Quellen

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