Der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU hat nach eigenen Angaben einen Deserteur festgenommen, der Standorte der ukrainischen Armee an den russischen Inlandsgeheimdienst FSB weitergegeben haben soll. Wie die Nachrichtenagentur Ukrinform unter Berufung auf die SBU berichtet, konnten dank des schnellen Eingreifens mehr als 100 ukrainische Drohnenoperatoren vorab aus dem möglichen Angriffsgebiet evakuiert und der Mann festgenommen werden.
Der Beschuldigte habe die Armee eigenmächtig verlassen und sei in die Oblast Kyjiw gereist, wo er für den FSB die Lage logistischer Zentren der ukrainischen Armee ausgespäht habe, auf die Russland Raketen- und Luftangriffe vorbereitete, teilte die SBU mit. Festgenommen wurde er in der Nähe eines wichtigen Lagers in der Oblast Kyjiw. Laut den Ermittlungen war er bereits vor seiner Einberufung in die Streitkräfte vom FSB angeworben worden. Zunächst habe er „Testaufgaben“ erledigt und Objekte des Brennstoff- und Energiekomplexes im Norden der Ukraine beobachtet, später habe der FSB ihn angewiesen, sich mobilisieren zu lassen, um „von innen“ zu spionieren.
Während der Ausbildung zum Drohnenoperator habe er persönliche Daten von Führung und Personal des Ausbildungszentrums gesammelt, so die SBU weiter. Als Gegenleistung sei ihm eine „Evakuierung“ nach Russland samt russischer Staatsbürgerschaft versprochen worden. Bei der Festnahme sei ein Smartphone mit Beweisen für seine Arbeit für den FSB sichergestellt worden.
Die Ermittler der SBU teilten ihm eine Verdächtigung nach zwei Artikeln des ukrainischen Strafgesetzbuchs mit: Landesverrat unter Kriegsrecht (Artikel 111, Teil 2) und wissentlich falsche Meldung einer Bombendrohung gegen ein Objekt kritischer Infrastruktur (Artikel 259, Teil 2). Der Mann befinde sich ohne Recht auf Kaution in Haft; ihm drohe lebenslange Haft mit Vermögensbeschlagnahme.



