Eine Windböe hat das Kreuzfahrtschiff „Mein Schiff 3“ beim Auslaufen aus dem Bremerhavener Hafen auf zwei Containerschiffe zugetrieben und damit drei Schiffe beschädigt. Verletzt wurde niemand, wie die Polizei laut tagesschau.de mitteilte. Die für den Abend geplante 20-tägige Kreuzfahrt zu den Kanaren sagte die Reederei Tui Cruises am Montag, 26. Oktober, ab.
Der Unfall ereignete sich am späten Sonntagabend. Das Schiff wurde nach Polizeiangaben beim Auslaufen von Schleppern unterstützt, als eine Böe es erfasste. Es trieb daraufhin auf zwei Containerschiffe zu, die an der sogenannten Stromkaje festgemacht hatten. An dem kleineren Containerschiff entstand ein leichter Schaden, an dem größeren ein erheblicher. Auch das Tui-Schiff wurde erheblich beschädigt, auf Bildern waren zerstörte Rettungsboote zu sehen.
„Durch den Zusammenstoß wurde die Backbordseite des großen Containerschiffs auf mehreren Metern aufgerissen und Containerführungen deformiert“, teilte die Polizei mit. Die Schäden befänden sich jeweils mehrere Meter über der Wasserlinie. Zu einem Wassereinbruch kam es auf keinem der Schiffe. Die Wasserschutzpolizei ermittelt. Für alle drei beteiligten Schiffe wurde durch die Dienststelle Schiffssicherheit ein Auslaufverbot verhängt.
Erst ein Containerschiff, dann drei
Zunächst war von einer Kollision zwischen dem Kreuzfahrtschiff und einem Containerschiff die Rede. Später teilte die Polizei mit, dass insgesamt drei Schiffe betroffen sind. Die „Nordsee-Zeitung“ berichtete laut sat1regional.de und morgenpost.de, die Bordwand eines Containerschiffs sei auf einer Länge von rund zehn Metern aufgerissen.
Zum Unfallzeitpunkt waren nach Angaben einer Tui-Sprecherin 2.428 Gäste und 922 Crewmitglieder an Bord. Alle konnten zunächst auf dem Schiff bleiben, Fachleute untersuchten die Lage vor Ort. Das Kreuzfahrtschiff fuhr nach dem Unfall zurück zum Kreuzfahrtterminal. „Die festgestellten Schäden machen kurzfristige Reparaturarbeiten in einer Werft erforderlich“, sagte die Sprecherin. „Weitere Informationen werden wir bereitstellen, sobald gesicherte Erkenntnisse vorliegen.“
Ein von der Deutschen Presse-Agentur verifiziertes Augenzeugenvideo zeigt, wie das Schiff bei deutlichem Wellengang ausläuft, der Abstand zu einem an der Hafenmauer liegenden Containerschiff immer kleiner wird und das Kreuzfahrtschiff schließlich mit dem Containerfrachter kollidiert. „Ich glaube, das war es mit der Reise“, sagt eine Frau in dem Video. Für Bremerhaven hatte der Deutsche Wetterdienst für Sonntag eine amtliche Warnung vor Windböen herausgegeben.
Keine Entwarnung an der Küste
Das stürmische Wetter geht auf Sturmtief „Manja“ zurück, das den Norden in der Nacht zum Montag in Atem hielt. Die ostfriesische Nordseeinsel Norderney wurde von einer Sturmflut getroffen. Gegen 23 Uhr erreichte sie ihren Höhepunkt, mit einem Pegel von 8,20 Metern lag der Wasserstand rund 1,75 Meter über dem normalen Hochwasser. In Hamburg war der Altonaer Fischmarkt überschwemmt, auch in Bremerhaven, Wilhelmshaven und Cuxhaven standen Parkplätze unter Wasser. In der Hamburger Hafencity blieb eine Autofahrerin in einer überfluteten Eisenbahnunterführung stecken und musste von der Feuerwehr gerettet werden.
Vor der niederländischen Insel Schiermonnikoog wurde ein Schwerlastfrachtschiff einer deutschen Reederei zeitweise manövrierunfähig. Drei der 25 Besatzungsmitglieder seien verletzt worden, berichtete die Nachrichtenagentur ANP; zwei von ihnen wurden laut sueddeutsche.de mit einem Hubschrauber in die Universitätsklinik von Groningen gebracht. Zunächst war von fünf Verletzten die Rede gewesen. Der Ankermechanismus der „UHL Freedom“ habe dem Sturm knapp 30 Kilometer nördlich der Insel nicht standgehalten, zudem habe es Probleme mit der Maschinenleistung gegeben.
Die Polizeileitstellen im Norden berichteten insgesamt nur von wenigen größeren Einsätzen, schwere Unfälle und Personenschäden blieben nach ihren bisherigen Einschätzungen aus. Auch im Ausland hatte der Sturm Folgen: Zehntausende Haushalte waren in England nach Angaben der BBC am Sonntag ohne Strom, 6.000 weitere in Schottland, in Frankreich fiel laut dem örtlichen Versorger in knapp 60.000 Haushalten der Strom aus.
Entwarnung gibt es noch nicht. Für Montagmittag gab das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) erneut eine Sturmflutwarnung für die Nordsee heraus. Das Mittag- beziehungsweise Nachmittagshochwasser werde an der ostfriesischen Küste und im Wesergebiet etwa 1,5 Meter höher auflaufen, an der nordfriesischen Küste und im Elbegebiet 1,5 bis zwei Meter höher als das mittlere Hochwasser. Für die „Mein Schiff 3“ und ihre Fahrgäste bleibt zunächst nur die Werft – wann die Reise nachgeholt wird, ist offen.



