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Rente mit 63: 2,9 Millionen Bezieher – was die Zahlen sagen

Die Zahl der Renten nach 45 Beitragsjahren hat sich seit 2016 vervierfacht. Doch der Anteil an den Neurenten sinkt – und die Regierung verrät nicht, was eine Abschaffung bewirkt.

Rente mit 63: 2,9 Millionen Bezieher – was die Zahlen sagen
Symbolbild: Pixabay / Pexels

Die Zahl der Renten nach 45 Beitragsjahren hat sich seit 2016 vervierfacht. Doch der Anteil an den Neurenten sinkt – und die Regierung verrät nicht, was eine Abschaffung bewirkt.

Stand: Antwort der Bundesregierung vom 19. Oktober. Die Zahl der laufenden Altersrenten für besonders langjährig Versicherte ist von 685.971 Ende 2016 auf 2.889.969 Ende 2025 gestiegen – ein Plus von mehr als dem Vierfachen. Das geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken hervor (Drucksache 21/8731), über die der Bundestag im Informationsdienst „heute im bundestag“ berichtet.

Ein Bestandseffekt, kein Boom

Die Zahl klingt nach Explosion, ist aber vor allem ein Bestandseffekt. Die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren, im Volksmund „Rente mit 63“, wird seit 2014 gezahlt und dann über Jahrzehnte bezogen. Jedes Jahr kommen neue Rentner hinzu, nur wenige scheiden aus. Aus der Tabelle der Regierung ergibt sich ein Netto-Zuwachs von rund 233.000 bis 258.000 Renten pro Jahr (eigene Berechnung), im letzten Jahr 2025 waren es 233.000 – der niedrigste Wert der Reihe.

Wichtiger für die Reformdebatte ist der Anteil an den Neurenten. Er lag 2016 bei 28,7 Prozent, erreichte 2021 mit 31,3 Prozent den Höhepunkt und sank bis 2025 auf 28,3 Prozent. Männer nutzen die Regelung deutlich häufiger als Frauen: 32,4 gegenüber 24,5 Prozent. Regional ist das Gefälle groß, schrumpft aber: In Thüringen fiel der Anteil von 40,6 auf 34,1 Prozent, in Sachsen von 39,5 auf 33,3 Prozent; in Bayern blieb er mit 30,2 Prozent praktisch gleich, in West-Berlin liegt er bei 16,9 Prozent.

Wer profitiert, wer zahlt

Spannend ist auch die Einkommensseite. Die Rentenkommission, die im Juni 33 Empfehlungen vorgelegt hat, begründet das Ende der Abschlagsfreiheit unter anderem damit, dass sie vor allem Besserverdienenden, Gesünderen und Männern nütze. Die Regierungsantwort stützt das nur teilweise: Von den Neurentnern 2025 bekamen 16,4 Prozent weniger als 1.200 Euro im Monat, bei Frauen waren es 28,2 Prozent, bei Männern 6,9 Prozent. Die Rente nutzt also auch Menschen mit kleinen Beträgen – aber die Verteilung zwischen den Geschlechtern ist ungleich. Die Regierung selbst warnt an anderer Stelle der Antwort davor, Rentenhöhe mit Armut gleichzusetzen, weil der Haushaltskontext fehle.

Zu den Folgen einer Abschaffung äußert sich die Regierung nicht. Diese hingen „von der genauen Ausgestaltung“ ab, dem könne nicht vorgegriffen werden; zu Übergangsfristen und Vertrauensschutz nennt sie wegen des laufenden Verfahrens nichts. Sie erarbeite „derzeit die gesetzgeberische Umsetzung“ der Kommissionsempfehlungen. Zur Einordnung der Größenordnung: Die Rentenversicherung beziffert die Kosten der Abschlagsfreiheit auf rund 13 Milliarden Euro im Jahr, DIW-Präsident Marcel Fratzscher schätzt die langfristige Ersparnis einer Abschaffung auf etwa zehn Milliarden (dpa/t-online, August).

Unsere Einschätzung: Die Zahlen liefern beiden Lagern Munition und entscheiden den Streit nicht. Wer abschaffen will, findet 13 Milliarden Euro und einen Männerüberhang; wer erhalten will, findet einen sinkenden Anteil, keinen Boom und viele Bezieher mit mittleren Renten. Ein Kompromiss, wie ihn Arbeitsminister Alexander Schweitzer (SPD) anstrebt – etwa über die Anrechnung von Pflege- und Erziehungszeiten, die in der Union im Gespräch ist –, wäre wahrscheinlicher als eine ersatzlose Streichung – zumal ostdeutsche CDU-Ministerpräsidenten ebenfalls widersprechen. Sicher ist das nicht: Ein Gesetzentwurf liegt weiter nicht vor.

Zuvor berichtet: Rente mit 63: Schweitzer will den Kompromiss und Verdi fordert von Schweitzer Gesetzentwurf.

Quellen: Bundestag, Drucksache 21/8731, heute im bundestag, t-online/dpa, Rheinpfalz via Leinetal24

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